24.09.2026
Bund Freier evangelischer GemeindenFeG-Gottesdienst | Die Bibel im Gottesdienst
Die Bibel ist nicht nur zum Lesen und Predigen da. Sie leitet uns auch zum Beten an.
Die Bibel im Gottesdienst
Wort Gottes zum Anfassen, das Menschen neu berührt
Dass Gottesdienst mit der Bibel zu tun hat, scheint selbstverständlich. Dennoch ist es in FeGs eher unüblich, das Wort Gottes zum Anfassen mit in den Gottesdienst zu bringen. Arndt Schnepper macht Mut, gibt Tipps und Hinweise, das Bibelbuch sichtbar und erfahrbar in den Gottesdienst einzubinden.
Es ist schon ein paar Jahre her, da fragten die Prediger im Gottesdienst manchmal, wer denn von den Gästen eine eigene Bibel dabeihabe. Meistens ging die Umfrage dann so aus, dass nur wenige die Hand heben konnten.
Darauf erfolgte dann oft der ernste Hinweis, dies doch in Zukunft wieder vermehrt zu tun.
Doch erfolgreich wirkten diese Appelle selten. Im Gegensatz zu England oder den Vereinigten Staaten war es im deutschsprachigen Raum seltsamerweise nie üblich, eine Bibel in den Gottesdienst mitzunehmen. Und so ist es bedauerlicherweise bis heute.
Bibel als Gottesdienstbuch
Möglicherweise liegen die Gründe für diesen Umstand in einem Denkfehler. Manche Christen meinen, die Bibel sei ausschließlich ein Behältnis für die Wahrheit. Keine Frage, das ist sie ja auch. Entsprechend heißt es in der Verfassung unseres Bundes Freier evangelischer Gemeinden so: „Verbindliche Grundlage für Glauben, Lehre und Leben in Gemeinde und Bund ist die Bibel, das Wort Gottes.“ (verfassung.feg.de). Darum lesen wir ja auch persönlich in der Bibel und legen sie in unseren Predigten regelmäßig aus.
Doch wer sich mit der Bibel beschäftigt, merkt: Die Bibel ist nicht nur zum Lesen und Predigen da. Sie leitet uns auch zum Beten an. In ihr finden sich so viele Gebete, Bekenntnisse und Lieder, die zum Nachahmen anregen.
Mit anderen Worten: Die Bibel ist nicht nur ein Lese- und Predigtbuch, sie ist ebenso ein Gebets- und Gottesdienstbuch. Wer das versteht, wird aufrichtig überlegen, wie die Bibel ihren rechten Platz im Gottesdienst erhalten kann.
Gebet des Herrn
„Herr, lehre uns beten“, bat einer der Jünger Jesu (Lukas 11,1 | LU). Und Jesus gab seinen Jüngern ein Gebet (Matthäus 6,9–13; Lukas 11,2–4). Dieses Gebet ist für uns Beispiel und Modell zugleich. Das Gebet macht klar: So oder so ähnlich können wir beten. Aber das andere stimmt auch: Genauso sollen wir ebenfalls beten.
Zu Recht pflegen wir in unseren Gemeinden das freie und spontane Gebet. Wir brauchen aber auch feste Formen, die uns halten. Es ist in vielen Freien evangelischen Gemeinden üblich, in diesem Zusammenhang nicht vom „Vaterunser“, sondern vom „Gebet des Herrn“ zu sprechen. Und so, wie das Gebet im Wortlaut beginnt („Unser Vater“), so sollte es auch gesprochen werden.
Psalmen
„Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern“ (Epheser 5,19 | LU). Beherzigt haben wir meist die Hymnen und Lieder, nicht aber die Psalmen. Dabei sind gerade die Psalmen seit den Anfängen der Gemeinde Jesu eine Schatztruhe für das gottesdienstliche Gebet.
Vielleicht ist es eine Idee, an den Gottesdiensten der Christusfeste mit dem gemeinsamen Psalmengebet zu beginnen. Beispielsweise böten sich an: der Ewigkeitssonntag (Psalm 90), der erste Sonntag im Advent (Psalm 24) oder das Christfest (Psalm 96). Oder wir machen es uns zur Gewohnheit, während der Abendmahlfeier einen Psalm miteinander zu beten.
Neutestamentliche Lieder
Anders als das Alte Testament verfügt das Neue Testament über kein gesondertes Buch mit Liedern. Es gibt allerdings die Vermutung, dass auch im Neuen Testament bereits Lieder enthalten sind. Dazu zählen etwa die Lobgesänge Marias (Lukas 1,46–55), des Zacharias (Lukas 1,68–79) sowie des Simeon (Lukas 2,29–32). Mit letzter Sicherheit lässt sich das zwar nicht beweisen, doch die Form der Texte deutet auf einen liedhaften Charakter hin. Dazu gehören auch der Prolog im Evangelium des Johannes (Johannes 1,1–17), das Loblied von Paulus (Epheser 1,3–10) und manche Passagen in der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 15,3–4). Diese Texte lassen sich miteinander sprechen und beten. Und natürlich lassen sich solche Texte auch vertonen und singen.
Prophetische Bibelworte
Wenn Paulus über die gottesdienstlichen Versammlungen spricht, erwähnt er unter anderem das „Wort der Weisheit“ und das „Wort der Erkenntnis“ (1. Korinther 12,8). Durch sie, so Paulus, redet der Geist zur Gemeinde. Oftmals werden die Ausführungen dahingehend gedeutet, dass es sich hierbei um neue, bisher nicht gehörte Gedanken handelt.
Die Benutzung des Begriffes „Wort“ kann aber auch ein anderes Verständnis eröffnen. Möglicherweise dachte der Apostel hier eher an Sätze und Aussprüche des Alten Testaments oder von Jesus, die für die Versammelten von Bedeutung sein konnten. Eine solche Praxis ist auch heute möglich.
Wer die Gabe hat, lässt sich von Gott einen Satz oder Textabschnitt zeigen, der für alle Gottesdienstgäste gedacht ist. Wenn dann mehrere solche „Worte der Weisheit und Erkenntnis“ teilen, kann das für die Anwesenden sehr erfrischend wirken.
Lesungen
In neutestamentlicher Zeit kannte man Lesungen heiliger Texte aus den Synagogen und den ersten Gemeinden (1. Timotheus 4,13). Und so wundert es nicht, wenn etwa Paulus die Kolosser ermunterte, seine Briefe in der Gemeinde vorzulesen (Kolosser 4,16).
Doch wie sollen Lesungen heute nun gelesen werden? Wichtiger als rhetorische oder logopädische Einsichten scheint mir hier die Haltung der Lesenden zu sein. Es ist nicht so schön, wenn wir einfach von einem „Text“ sprechen, den wir nun gedenken, vorzulesen. Auch eine detaillierte Versangabe ist nicht immer zielführend.
Angemessener ist es, das Schriftwort als einen Teil der „Heiligen Schrift“ oder „Gottes Wort“ einzuführen. Eine einfache Kapitelangabe ist vollauf genügend. Natürlich kann die Lesung in inhaltlicher Nähe zur Predigt stehen. Das ist aber nicht zwingend notwendig. Als möglicher Teil der Anbetung darf eine Lesung auch einen eigenen Akzent setzen.
Reihenpredigten
Dass die Bibel ein Gottesdienstbuch ist, zeigt sich schlussendlich auch darin, welche Predigten wir in unseren Gemeinden fördern. In ihren Anfängen und lange Zeit später war in Freien evangelischen Gemeinden immer sonnenklar: Die Predigt ist eine lebensnahe und fortlaufende Auslegung der Heiligen Schrift. Natürlich kannte man auch die weihnachtliche Festpredigt oder die individuelle Trauerpredigt, mit denen eine besondere Textwahl einherging. Und ebenso war die missionarische oder lehrhafte Predigt geläufig, die auf die Heranziehung eines Textes verzichtete.
Doch die sonntägliche Normalpredigt war in aller Regel einer kontinuierlichen Auslegung eines biblischen Buches oder Briefes gewidmet. Neben vielen Vorzügen wird durch dieses Verfahren deutlich: Die Bibel ist kein Häppchen-Buch, sondern sie enthält Schriften, die es wert sind, von Anfang bis Ende gelesen zu werden.
Bibeln für alle
Vor einiger Zeit besuchte ich einen modern anmutenden Gottesdienst im Umland von Siegen. Vor dem Betreten des Gottesdienstsaals wurde mir ein Buch überreicht. Ich fragte mich, ob dies nun ernsthaft noch ein Liederbuch sei, aus dem gesungen werden sollte. Nachdem ich Platz genommen hatte, schaute ich in das Buch hinein und stellte fest: Das war aber kein Liederbuch, sondern eine Bibel! Ich war wirklich überrascht.
Richtig zum Einsatz kam die Bibel dann bei der Predigt. Die entsprechenden Verse wurden nicht wie die Lieder mit dem Beamer projiziert. Der Prediger nannte vielmehr Buch, Kapitel, Vers – und die Seitenzahl sowie den entsprechenden Absatz. Ich fand das sehr eindrücklich. Denn durch diesen Vorgang wurde möglich, was uns oft nur so schwer gelingt. Die Menschen wurden angeleitet, die Bibel zur Hand zu nehmen, sie zu öffnen – und dann miteinander zu lesen und damit auch zu beten. Welch ein Geschenk!
Dr. Arndt E. Schnepper | Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Ewersbach | th-ewersbach.de
Dieser Artikel erschien zuerst in der FeG-Zeitschrift Christsein Heute.
Downloads | Weiterführende Links
- FeG-Gottesdienst – Tipps, Vorlagen und Impulse | gottesdienst.feg.de
- Auf der FeG-Webseite finden sich Tipps und Impulse rund um den Gottesdienst in Freien evangelischen Gemeinden. Dort stehen auch Vorlagen und Texte für den gottesdienstlichen Gebrauch zum Download bereit. | gottesdienst.feg.de
CHRISTSEIN HEUTE | FeG-Forum
Die FeG Zeitschrift für Freie evangelische Gemeinden
- Kostenloses Testabo der FeG-Zeitschrift CHRISTSEIN HEUTE >>
- monatliche Erscheinungsweise im SCM Bundes-Verlag gGmbH
- tiefgehende Dossierthemen und Impulse für Glauben und Leben, hilfreiche Tipps für Gemeindeleitung und Mitarbeitende
- FeG-Forum erscheint vierteljährlich als Beilage für den kompletten Bund FeG: Infos aus Bund FeG und Bundeswerken
- ANGEBOT: FeG-Hauptamtliche bekommen 50 % Rabatt auf alle SCM Bundes-Verlags-Zeitschriften | Weitere Infos >>
- Werben in CHRISTSEIN HEUTE: Anzeigenabteilung | Mediadaten >>
- Weitere FeG-Materialien im FeG-Shop | SCM-Shop
- Aktuelles CHRISTSEIN HEUTE-Medienpaket für FeG-Medien und Gemeindebriefe | ZIP >>
- Verschenken Sie die FeG-Zeitschrift an Freundinnen, Freunde und Gäste Ihrer Gemeinde. Dafür lassen wir Ihnen gerne kostenlose Probeexemplare zukommen. | dialog@christsein-heute.de
Auch noch interessant
Pressekontakt
Artur Wiebe | Referent für Medien und Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher
- Telefon: 02302 937-33 | Fax: 02302 937-99
- presse@feg.de | feg.de
The post VEF | Christliche Verantwortung für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt appeared first on FeG Deutschland | Bund FeG | BFeG.