»Wir sind alle Gäste an einem Tisch«

Die Süddeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) für Süddeutschland, fasste am gestrigen Freitag, 14. Juni, weitreichende Beschlüsse. Dazu gehörten die Verabschiedung eines einladenden Leitmotivs und die Neubenennung kirchlicher Ämter.

Soll Kirche mit englischen Begriffen werben?

In einer intensiven und langen Debatte diskutierten die Mitglieder der Süddeutschen Jährlichen Konferenz die Vorlage eines Leitmotivs, das die kirchliche Arbeit kurz und prägnant beschreiben soll. Bei der Diskussion des sogenannten »Claims« ging es um die Verwendung englischer Begriffe und um die Frage, wie viel inhaltliche Aussagen in einem Leitmotiv schon mitgeteilt werden sollen. Mit großer Mehrheit verabschiedeten die Konferenzmitglieder den Claim »bring & share. Menschen in Begegnung. Evangelisch-methodistische Kirche«.

Dieses Leitmotiv der EmK für den Süden Deutschlands ist mit einer kurzen Erzählung verbunden. Darin wird ein Raum beschrieben, in den die Gemeinden einladen wollen. Sätze wie »Wir sind alle Gäste an einem Tisch, den nicht wir gedeckt haben« nehmen die Erfahrung des Abendmahls und die Weite der Liebe Gottes auf. Es wird deutlich, dass Menschen etwas zugesprochen wird, das sie sich nicht selbst sagen können. Vermittelt wird, dass die zur EmK gehörenden Menschen von dieser Zusage leben und jetzt laden sie wiederum Menschen ein, mit ihrer Sehnsucht in diesen Raum zu kommen. Dort soll der Gott der Bibel, befreiend erlebt werden.

Wofür stehen wir als Kirche?

Beim Entwickeln des Claims und der dazugehörigen Erzählung war die Arbeitsgruppe von Fragen ausgegangen, wie »Wofür stehen wir als Kirche?«, oder »Wo kann in der EmK Begegnung konkret erlebt werden?« Bernd Schwenkschuster, Pastor der Kirche im südlich von Stuttgart gelegenen Metzingen und Leiter der Arbeitsgruppe, die den Claim entwickelte, lenkte den Blick auf das Thema der Tischgemeinschaft. In verschiedenen Formen ermögliche die Gemeinschaft zu Tisch persönliche Begegnungen. Das geschehe beim Abendmahl und bei vielen Gelegenheiten, wenn Menschen zusammen essen und trinken.

In der engagiert geführten Debatte lobten viele Konferenzmitglieder die Erzählung als berührend und ansprechend. Viele Wortmeldungen kritisierten jedoch die Verwendung der englischen Begriffe »bring & share« in der Formulierung des Leitmotivs. Vorschläge, die englischen Wörter zu übersetzen oder andere deutsche Begriffe einzusetzen wurden erwogen, fanden aber keine Mehrheit. Befürworter der Verwendung englischer Begriffe argumentierten, dass die EmK eine internationale Kirche sei. Außerdem würden heute im Allgemeinen und besonders bei Angeboten für Kinder und Jugendliche häufig englische Formulierungen verwendet.

Nach einer mehrstündigen Debatte, deren Ausgang lange nicht absehbar war, wurde der Claim in seiner englischen Wortwahl beschlossen. Dieser soll nun zusammen mit der Geschichte in den Gemeinden genutzt werden, um in frischer und moderner Weise in die Gemeinden einzuladen.

Neue Begriffe für die ehrenamtliche Mitarbeit

In dem großen Veränderungsprozess, den die Süddeutsche Jährliche Konferenz seit zwei Jahren gestaltet, hatte sich eine Arbeitsgruppe ausführlich mit dem Ehrenamt beschäftigt. Viele Bezeichnungen von Ämtern und Funktionen, die mit den Begriffen »Laie« und »Führer« zusammengesetzt sind, seien so heute nicht mehr verwendbar und sollten geändert werden, so die Arbeitsgruppe.

Ein Laie sei im üblichen Sprachgebrauch eine Person, die keine besonderen Fachkenntnisse habe. Argumentiert wurde außerdem, dass kirchliche Ämterbezeichnungen, die das Wort »Führer« verwenden, nach außen missverständlich seien und in der Öffentlichkeit Fragen aufwerfen. So sollte nach dem Vorschlag der Arbeitsgruppe das »Laienmitglied der Jährlichen Konferenz« künftig als »Konferenz-Delegierter« bezeichnet werden, und die »Bezirkslaienführerin« sollte »Vertreterin des Bezirks« heißen.

Die Konferenzmitglieder stimmten diesen Änderungsvorschlägen mehrheitlich zu. Allerdings kann eine Änderung der Begriffe nur durch die für alle Jährlichen Konferenzen in Deutschland zuständige Zentralkonferenz beschlossen werden. Die nächste Tagung der Zentralkonferenz findet im Februar kommenden Jahres statt und wird sich auf Antrag der Süddeutschen Jährlichen Konferenz mit diesen vorgeschlagenen Änderungen befassen.

Aufnahmen in die SJK

Am Ende der Vormittagssitzung am gestrigen Freitag wurden etliche Personen in die Süddeutsche Jährliche Konferenz aufgenommen und durch den Bischof begrüßt und gesegnet.

Für die Ordination zum pastoralen Dienst empfohlen wurden Matthew Burnett (Bezirk Stuttgart-Nord), Maximilian Bühler (Professor an der Theologischen Hochschule Reutlingen), Moritz Mosebach (Bezirk Metzingen), Odette Bauer (Bezirk Heidenheim/Gerstetten), Benedikt Hanak (Bezirk Esslingen) und Lena Dignus (Bezirk Tübingen). Erstmalig empfahl die Süddeutsche Jährliche Konferenz Diakone zur Ordination: Martin Chmel (Altdorf bei Nürnberg) und Tobias Zucker (Kinder- und Jugendwerk Süd).

Mit Ende der Probezeit wurden Wolfgang Allgaier (Bezirk Schwabach/Weißenburg in Bayern) und Marie Gebhardt (Bezirk Nürnberg-JesusCentrum) als Lokalpastor und als Lokalpastorin aufgenommen. Als Lokalpastoren auf Probe wurden Lorenz Härer (Bezirk Böblingen/Sindelfingen) und Sabbath Mavula (Student der Theologischen Hochschule Reutlingen) begrüßt sowie Nadine Skarke (Bezirk Nürtingen-Radiwangen) als Diakonin auf Probe.

Aufgehoben in Gott – Abendmahls- und Gedächtnisgottesdienst

Während sich die Innenstadt von Bruchsal für das Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft der Männer rüstete, feierte die Konferenzgemeinde in der katholischen Stadtkirche das Abendmahl und die Gedächtnisfeier. Im Mittelpunkt stand das Erinnern an die Personen, die aus der Gemeinschaft der Süddeutschen Jährlichen Konferenz im zurückliegenden Konferenzjahr verstorben waren. Die Pastorinnen Ingeborg Dorn und Ute Duppel-Martin gestalteten einen dichten und intensiven Abend.

Dorn rückte in ihrem Impuls den Dank in den Mittelpunkt für das Leben der Verstorbenen, für deren Individualität, für ihren Dienst in der Kirche, für ihre Ermutigung, ihr Vorausdenken und Vorangehen. »Für sie alle hat Gott Wohnungen vorbereitet«, sagte die ehemalige Krankenhausseelsorgerin in ihrer Ansprache. Im Glauben könnten die Hinterbliebenen Trost finden, denn ihre verstorbenen Angehörigen und Freunde seien nun aufgehoben in Gott. »Das Ganze, das Vollkommene wird erst erfahrbar und sichtbar werden, wenn wir unsere Wohnung bei Gott beziehen«, erklärte Dorn.

Dorothea Lorenz, Superintendentin für den Distrikt Stuttgart, und der für den Distrikt Reutlingen zuständige Superintendent Tobias Beißwenger erinnerten an die Verstorbenen des vergangenen Konferenzjahres: die Pastorinnen Bettina Gfell und Christine Erb-Kanzleiter sowie die Pastoren Ludwig Rott, Kurt Scherer, Herbert Link, Herbert Seeger, Erich Heß und Gerhard Weidhaas. Außerdem gedachten sie der Gemeindehelferin Hanna Schütz, der Pastorenfrauen Henriette Lange und Ruth Straub, sowie dem ehemaligen Konferenzmitglied Hildegard Riegel, stellvertretend für die verstorbenen Laien.

Christof Voigt gestaltete die Feier an der Orgel mit unterschiedlichen Instrumentalstücken vom Jazz-Evergreen »Take five« bis zu Bachs »Air« aus der Orchestersuite D-Dur und Eric Claptons »Tears in Heaven«. Mit der Erfahrung von Gottes Nähe und Zuspruch in der Mahlfeier sowie dem gemeinsam gesungenen »We shall overcome some day« verließen die Gottesdienstbesucher die Stadtkirche. Beim Stehempfang vor der Kirche konnten sie noch miteinander ins Gespräch kommen.

 

Weiterführende Links

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