22.01.2025
Evangelisch-methodistische Kirche»Was uns eint ist viel wichtiger«
Die Allianzgebetswoche der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD) endete am vergangenen Sonntagmorgen, 19. Januar. Die Ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christen unter Federführung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) hatte an diesem Abend ihren Auftakt.
Ökumenischer Aktionstag verbindet Evangelische Allianz und ACK
Zwischen den beiden Gottesdiensten in Velbert und Essen verband ein Pilgerweg die beiden Gebetswochen. Zahlreiche Christen machten sich auf diesen Weg, um ihrer Verbundenheit Ausdruck zu geben. In Essen empfing zunächst Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, die Pilgernden am Essener Bahnhof. Von dort führte der gemeinsame Weg in den Essener Dom. Am Portal wurden die Pilger und Gottesdienstbesucher von Franz Overbeck, dem für das römisch-katholische Bistum Essen zuständigen Bischof, begrüßt.
Tradition der verbundenen Gebetswochen wird fortgesetzt
Im Zentrum des ökumenischen Gottesdienstes standen die Glaubensaussagen des Ersten Ökumenischen Konzils von Nizäa aus dem Jahr 325 und dessen Bedeutung für die ökumenische Weltgemeinschaft der Christen. Außerdem empfing Radu Constantin Miron, Erzpriester der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland und Vorsitzender der ACK, bereits zum fünften Mal den Vorsitzenden der Evangelischen Allianz in Deutschland, Reinhardt Schink. Von ihm empfing er auch den Staffelstab in Form einer Kreuz-Fisch-Skulptur, der die beiden Gebetswochen seit 2021 symbolisch miteinander verbindet.
Trotz sich ändernder Traditionen den Mittelpunkt des Glaubens nicht vergessen
»Wir sind zunächst der Meinung, alles tun zu müssen, um uns besser voneinander abzutrennen, um unsere eigene Einzigartigkeit und Rechtgläubigkeit festzustellen und durchzusetzen«, sagte Miron in seiner Predigt mit Blick auf die zweitausendjährige Geschichte des Christentums. Dann lenkte er das Augenmerk auf die inzwischen erkennbare Feststellung: »Auf einmal stellen wir fest: das, was uns gemeinsam ist, das, was uns eint, ist nicht nur viel mehr, sondern auch viel wichtiger.«
Statt über das heutige entchristlichte Christentum zu lamentieren, wolle er aber eher konstatieren, wie sich das Christentum in jeder Zeit immer wieder anders präsentiert und gestaltet. Das sei zulässig mit allen Unterschieden, »solange wir den Kern, den Mittelpunkt unseres Glaubens nicht vernachlässigen oder gar vergessen«.
Miron verdeutlicht: Mahlgemeinschaft ereignet sich
Der ACK-Vorsitzende sprach auch die im ökumenischen Miteinander immer noch schwierige Frage der gemeinsamen Feier des Abendmahls an. »Wenn wir in unseren Kirchen das Herrenmahl feiern – wie immer wir es nennen – ist das ja nicht nur eine historische Reminiszenz, sondern eine Aktualisierung der besonderen Art«, sagte der orthodoxe Erzpriester. Das Verständnis des Abendmahls trage so etwas wie eine Art »spirituelles Gedächtnis« in sich. Es gebe nach wie vor unterschiedliche Verständnisweisen des im Abendmahl gefeierten Geschehens, die schwer zusammenzuführen seien. Allerdings gebe es kirchenübergreifend ein besonderes Bewusstsein dafür, »dass ›hier und heute‹ etwas geschieht und nicht nur irgendwann etwas für uns geschehen ist«, rief Miron diese den Christen innewohnende Verbindung in Erinnerung.
Tauferinnerung mit lebendigen Flammen
Im wörtlichen Sinne »strahlender« Höhepunkt des Gottesdienstes war eine Kerzenzeremonie. Dabei sprachen sich die Gottesdienstbesucher einander im Rahmen einer Tauferinnerung ein Segenswort zu und entzündeten Kerzen. Damit verwandelten sie den Essener Dom in ein Lichtermeer, um das Licht der Welt und dessen Weg zu veranschaulichen.
Die Vielfalt des christlichen Glaubens als Bereicherung erleben
Nach dem Ökumenischen Gottesdienst lud die ACK in Deutschland zu einem Empfang in die Aula des Bischöflichen Generalvikariats ein, an dem auch Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen teilnahm und einen Gruß der Stadt Essen entrichtete: »In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltungen setzt die Gebetswoche ein wichtiges Zeichen für Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis«, so Kufen. Sie ermögliche es den Teilnehmenden, »voneinander zu lernen und die Vielfalt des christlichen Glaubens als Bereicherung zu erleben«.
Weiterführende Links
Gottesdienst zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 2025 (You-Tube-Video)