23.09.2021
Evangelisch-methodistische KircheUnterwegs auf einer Reise ins Ungewisse
Während der letzten Jahre führten Migrationsbewegungen über Ländergrenzen hinweg zu einem tiefgreifenden, mancherorts deutlich sichtbaren demografischen Wandel. In ganz Europa sind zahlreiche Städte und Kommunen betroffen vom Zustrom asylsuchender Kriegsopfer, arbeitssuchender Wirtschaftsmigranten und anderer, die sich zu einer Reise ins Ungewisse aufmachten.
Fortbildung, Unterstützung und Austausch
Geplant oder zufällig stehen Kirchengemeinden häufig an vorderster Front, wenn Städte und Kommunen mit Migration konfrontiert sind. Manche Kirchengemeinden öffnen ihre Türen und begrüßen Neuankömmlinge mit Begeisterung. Andere haben Mühe damit, Menschen zu integrieren, die auf der Reise ins Ungewisse in ihrer Nähe gelandet sind.
Mit dieser Herausforderung beschäftigten sich Ende August elf Pastoren und Pastorinnen aus ganz Europa in Stuttgart bei einer Fortbildungswoche. Vor zwei Jahren fand dieses Schulungsprogramms für multikulturelle Gemeindearbeit (Institute for Multicultural Ministry) zum ersten Mal statt. Durch eine Initiative des internationalen Missionswerks (General Board of Global Ministries, GBGM) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) wurde diese Fortbildung mit kirchlichen Partnern in Europa aus der Taufe gehoben, um Personen in der Leitung internationaler, multikultureller Gemeinden anzuleiten, auszubilden und zu unterstützen. Das einwöchige Programm bot Vorträge über Theologie und Migration, Arbeitsgruppen zu Praxisthemen, Übungen zur Feier multikultureller Gottesdienste sowie Gruppendiskussionen und Zeit zur Gemeinschaft und zum Austausch.
Wie die von ihnen geleiteten Gemeinden repräsentierten die Teilnehmer der Schulung eine große Vielfalt. Unter ihnen befanden sich ein junger Mann aus Ghana, der eine englischsprachige Arbeit im finnischen Helsinki leitet, ein US-Amerikaner, der eine dänischsprachige Gemeinde in Norddänemark leitet sowie eine Südafrikanerin, die als Pastorin einer internationalen Gemeinde im schweizerischen Basel wirkt.
Internationales Team
Geleitet wurde die Fortbildung von einem Mitarbeiterteam aus Vortragsrednern und Gruppenleitern, die von theologischen Ausbildungsstätten der EmK und ökumenischer Partner aus ganz Europa und den Vereinigten Staaten kamen. Hauptredner war Robert Hunt, Direktor des Lehrstuhls für Weltweite theologische Bildung an der Perkins School of Theology in Dallas im US-Bundesstaat Texas. In einem zweiteiligen Vortrag ging es um die »Missio Dei«. Mit diesem Begriff der Missionstheologie wird deutlich gemacht, dass Mission im Auftrag Gottes geschieht, also » Mission Gottes« ist, und nicht eine Veranstaltung der Kirche. Hunt forderte die Teilnehmer dazu auf, Gottes Mission unter dem Blickwinkel der jeweiligen Situation zu betrachten, in denen Gemeinden direkt von Migration betroffen sind.
Um Fragen der Seelsorge und Konfliktlösung in multikulturellen Gemeinden ging es den beiden Referenten von der Theologischen Hochschule Reutlingen. Stephan von Twardowski, Professor für Systematische Theologie, und Gabriele Mayer, die Lehrbeauftragte für Interkulturelle Kommunikation, stellten neue ethische Ansätze für die kirchliche Arbeit vor.
Ein Vortrag von Knut Refsdal beschäftigte sich mit den Grundlagen biblischer Auslegung und wie die Bibel persönlich gelesen wird. Der Pastor und Bezirkssuperintendent der EmK in Norwegen beschrieb, wie komplex die Auslegung der Heiligen Schrift in einem multikulturellen Kontext ist.