Mobiles Impfteam in der EmK Öhringen

Pastor Martin Brusius berichtet über den Einsatz eines mobilen Impfteams. Rund dreihundert Impfungen wurden in der Öhringer Christuskirche verabreicht.

Martin Brusius ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Öhringen. Ende November war ein mobiles Impfteam aus dem rund dreißig Kilometer entfernt gelegenen Heilbronn zu Gast in den Räumen seiner Gemeinde. Binnen zwei Tagen wurden mehr als dreihundert Impfungen durchgeführt. Hier sein Bericht:

Am Montagmorgen um elf Uhr sollte es losgehen. Um halb zehn hatten sich bereits die ersten fünf Impfwilligen vor dem Eingang der Kirche eingefunden. Da ahnte ich schon, dass die Sorge, es könnten am Ende zu wenige kommen, mehr als unbegründet war. Nachdem das mobile Impfteam des Klinikverbunds für den Stadt- und Landkreis Heilbronn eingetroffen und der Aufbau der Impfstation in Windeseile abgeschlossen war, konnten wir die Kirchentür öffnen.

Ein Nummernsystem wäre hilfreich

Die Schlange war inzwischen auf rund fünfzig Personen angewachsen. Vom Team gab es die Information, dass etwa zwanzig Impfungen je Stunde machbar waren. Ich versuchte daher, die Menschen in der Schlange zu informieren, auf welche Wartezeit sie sich etwa einstellen mussten. Schon bald waren das vier Stunden und mehr.

Die Wartenden überzeugten mich, dass ein Nummernsystem hilfreich wäre. Die rasch gestempelten und beschrifteten Nummern halfen tatsächlich, die Warteschlange zu verkürzen, weil viele zwischendurch noch einmal nach Hause oder Kaffeetrinken gehen konnten. Für weitere Entlastung sorgte, dass ich viele Personen auf Donnerstag vertrösten konnte und ihnen eine Nummer mitgab, sodass sie nicht mit leeren Händen heimgehen mussten.

So eine lange Schlange!

Manche kamen fünfzig Kilometer aus Crailsheim oder sogar gut achtzig Kilometer aus Aalen angereist. Sogar aus Karlsruhe kam ein Paar und nahm dafür eine Strecke von gut hundert Kilometern auf sich. Viele erzählten, dass sie in den vergangenen Tagen schon an anderen Stellen einen, zwei, drei oder gar vier vergebliche Anläufe genommen hatten. Einzelne waren regelrecht verzweifelt, weil sie vom Arbeitgeber ein Ultimatum erhalten hatten und die Impfung brauchten, um weiterhin arbeiten zu dürfen.

Wenn die Technik streikt

Solche Härtefälle zu berücksichtigen, ohne die anderen in der Schlange wegen Ungleichbehandlung zu verärgern, gehörte zu den größten Herausforderungen des ersten Impftags. Am Ende des ersten Tages stand für mich zweierlei fest. Erstens: Einer der großen Schwachpunkte des Modells mit den mobilen Impfteams besteht darin, dass es den wechselnden Gastgebern an Erfahrung, Routine und Informationen fehlt, sodass sie mit der Logistik schnell überfordert sind. Dies führt zu Unmut bei denen, die am Ende vergeblich gewartet haben. Zweitens: Mit der Erfahrung vom ersten Tag und entsprechender Vorbereitung würde der nächste Impftag sicher viel besser funktionieren. Das jedoch war ein Irrtum.

Beim Aufbau stellte das Impfteam fest, dass die Software auf dem mitgebrachten Notebook nicht funktionierte. Die Erfassung der Daten musste komplett von Hand geleistet werden. Die mitgebrachte Notration ausgedruckter zehnseitiger Formulare ging bald zur Neige. Beim Versuch, sie im Büro nachzudrucken, stellte sich heraus, dass der Drucker für diese Dauerbelastung nicht konzipiert war.

Parallel dazu die Warteschlange zu informieren und zu koordinieren, war fast gar nicht mehr möglich. Die Nummern, die ich vorab vergeben hatte, sorgten am ersten Tag zwar für Entlastung. Am zweiten Tag wurde es dadurch aber zusätzlich kompliziert, eine von allen als gerecht akzeptierte Reihenfolge einzuhalten.

Ich habe manches gelernt

Mit Hilfe des evangelischen Pfarramts konnten in höchster Not ausreichend Formulare nachgedruckt werden, sodass am Ende fast so viele Impfungen wie am Vortag durchgeführt werden konnten – insgesamt 165. Nur in zwei Fällen mussten Personen bitter enttäuscht und ziemlich sauer den Heimweg antreten. Dass es doch noch so gut klappte, grenzt für mich schon an ein Wunder. Etliche meldeten sich in den nächsten Tagen noch einmal persönlich oder kamen sogar vorbei, um sich zu bedanken – teilweise auch mit einer Spende. Unter den beschriebenen Umständen hat das besonders gutgetan. Obwohl die ganze Aktion mehr als stressig war, bin ich dankbar für diese Erfahrung der besonderen Art, und ich habe manches gelernt.

Menschen zu helfen, ist befriedigend

Vor dem Einsatz war ich etwa überzeugt, dass diejenigen, die sich bislang nicht hatten impfen lassen, dazu auch jetzt nicht bereit wären. Das stimmte nicht. Auf der anderen Seite schimpft man nicht so leichtfertig auf Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen – was mir ohnehin sehr fern lag –, wenn man miterlebt hat, wie einzelne in der Schlange vor Angst am ganzen Körper zitterten oder in Tränen ausbrachen und um ein Haar im allerletzten Augenblick noch »die Flucht« ergriffen hätten. Es ist einfach sehr befriedigend, so vielen Menschen helfen zu können, etwas zu bekommen, was sie unbedingt brauchen. Ich weiß: eigentlich ist das beim Evangelium ja erst recht der Fall.

Dieser Artikel ist dem zweiwöchentlich erscheinenden EmK-Magazin »unterwegs« der Evangelisch-methodistischen Kirche – Nummer 26/2021 vom 19. Dezember 2021 – entnommen.

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