Ein Buch, das sich ins Herz schleicht

Die Autorin Johanna Ringeis und die Illustratorin Silke Möller entwickeln während der Pandemie ein Kinderbuch. Jetzt ist es im Buchhandel erhältlich.

»Die Abenteuer der kleinen Menschenkinder in Erfurt« ist ein Mehrgenartionenbuch nicht nur für Erfurter. Johanna Ringeis erzählt Fantasiegeschichten für Enkel, Eltern und Großeltern. Die Illustrationen von Silke Möller ergeben ein detailverliebtes Wechselspiel mit den Erzählungen.

Von gefiederten Freunden und Bäumen mit Sturmfrisuren

Stell dir vor, du bist klein. So klein, dass du quasi im Minikosmos zuhause bist. Genau so leben Frederico, Franc und Lola, die auf einer Insel in der Gera zuhause sind. Dieser Fluss durchzieht die Stadt Erfurt. Johanna Ringeis stellt in ihrem Buch drei moderne Däumelinchen vor. Sie verstehen die Sprache der Tiere, machen Winterschlaf, spielen »Haschen im Wind« und schaukeln auf Weidenruten. Als der Fischreiher Hubert sie bei seinen Streifflügen entdeckt, wird ihr Entdeckergeist geweckt. Runter vom beschaulichen Eiland, raus aufs Wasser und recht bald rein in die Stadt.

Kino im Kopf

Was Frederico, Franc und Lola dabei überrascht, auf wen sie treffen, was sie lernen und vor allem, was sie vermissen, wird auf 140 Seiten erzählt. Sprachlich schleicht sich dieses Buch ziemlich schnell ins Herz. Der Autorin gelingt das »Kino im Kopf«. Ihre Erzählweise schärft den Blick für Details, das große Ganze von Natur und Mensch, nimmt kleine und große Leute mit ins thüringische Venedig und sie spielt mit Geflunker und dem Tatsächlichen. »Wichtige Themen waren für mich – und für meine Enkel – von Anfang an Natur- und Artenschutz, Fremdsein und Achtsamkeit für das Kleine«, schildert Ringeis die Arbeit am Buch. »›Das Besondere war für sie längst zum Alltäglichen geworden‹, wurde mein Lieblingssatz«, fügt die Autorin hinzu. Im Buch verlassen die kleinen Menschenkinder ihre Insel und lernen alle »unnützen« Dinge kennen, die sie vorher nicht kannten und nie vermissten.

Illustrationen entstehen während des Lockdowns

»Ohne den Lockdown hätte ich nie so viele Bilder malen können; das hat mich aufgebaut«, sagt die Illustratorin Silke Möller rückblickend. In ihren detailverliebten Bildern spiegelt sich etwas von ihrem gelernten Beruf als Zahntechnikerin wieder. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie ihn aufgeben. Seither jobbt Möller in einem Juweliergeschäft. Von Herzen gerne würde sie eigentlich nur noch malen und meint: »Die Bilder im Buch sind meine wertvollsten Juwelen.«

Idee entstand im Schreibkurs an der Volkshochschule

In einem Schreibkurs an der Volkshochschule Erfurt entstand die Idee, aus den Notizen ein Fantasiebuch als Geschenk für die eigenen Enkel entstehen zu lassen. Schließlich entwickelte sich die Idee während der Pandemie. Der Erfurter Ringelbergverlag gewann am Projekt Interesse und gab das Buch mitsamt einem Stadtplan als Orientierung heraus. Als »unverkrampft illustrierte Lektüre« eigne sich das Buch »für Leute ab 7 bis 99« zum Vorlesen, zum Einüben von Zungenbrechern und einer anderen Perspektive.

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