Die Bibel im Alltag verankern

Wer morgens ein Blatt vom Abreißkalender löst, den Buchkalender aufschlägt oder die App auf dem Smartphone öffnet, ahnt nicht, wie viel Arbeit in einer Tagesandacht steckt.

Aus drei Kalendern wurde einer

Die gemeinsame Geschichte begann 1972. Zuvor hatte jede der beteiligten Freikirchen einen eigenen Kalender: den Kasseler Abreißkalender, den Wittener Andachtskalender und »Tägliches Brot«. Dann entschieden sich der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten), der Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) und die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK), einen gemeinsamen Kalender gemeinsam herauszugeben. Im Vorwort der ersten Ausgabe war von »großer Einmütigkeit und viel Freude« die Rede. Diese Zusammenarbeit trägt »Wort für heute« bis heute.

Fast zwei Jahre für 365 Andachten

Für die Ausgabe 2027 begann die Arbeit im März 2025. Das dreiköpfige Redaktionsteam sichtete den ökumenischen Bibelleseplan, wählte Leitverse aus und verteilte die Texte zu annähernd gleichen Teilen auf die drei Freikirchen. Im Mai wurden die Schreibenden angefragt, ab September trafen ihre Andachten ein. Im Mai 2026 konnte der Kalender für den Druck freigegeben werden.

Pastorin Ute Armbruster-Stephan vertritt die EmK im Redaktionsteam. Gemeinsam mit Nicola Bourdon (Baptisten) und Hans-Werner Kube (FeG) begleitet sie die Beiträge bis zur Veröffentlichung. Rund 30 der mehr als 100 Schreibenden kommen aus der EmK.

Die Redaktion arbeitet behutsam. Lange Sätze werden gekürzt, Wiederholungen gestrichen und unklare Formulierungen verständlicher gemacht. Bei inhaltlichen Fragen sucht das Team das Gespräch mit den Schreibenden. Deren eigene Sprache und geistliche Prägung sollen erkennbar bleiben.

Nicht immer läuft alles glatt. Einmal lagen wegen einer Überschneidung zwei Andachten für denselben Tag vor. Einer Autorin musste mitgeteilt werden, dass eine ihrer Andachten nicht veröffentlicht werden konnte. »Das war natürlich peinlich«, erinnert sich Armbruster-Stephan.

Kleine Reisen durch die Bibel

Die Autorinnen und Autoren begleiten die Lesenden meist zwei, drei oder vier Tage. So kann eine Andacht Gedanken des Vortags aufnehmen, einen neuen Aspekt beleuchten oder eine biblische Geschichte weitererzählen. Einführungen in die biblischen Bücher erschließen Zusammenhänge. Sonntags stehen Psalmen im Mittelpunkt – mit der ganzen Vielfalt menschlicher Erfahrungen mit Gott. Kurzbiografien außergewöhnlicher Christinnen und Christen ergänzen die Texte. Die abgedruckten Bibelverse folgen der BasisBibel.

Eine Andacht umfasst nur etwa 2.200 Zeichen. Gerade das mache die Aufgabe anspruchsvoll, sagt Armbruster-Stephan: Es komme darauf an, »in wenigen Worten etwas Spannendes, Eindrückliches, Anrührendes, Tröstendes oder Glaubensstärkendes zu schreiben«.

Mehr als ein kurzer Gedankenblitz

Wer dem ökumenischen Bibelleseplan folgt, liest in vier Jahren das Neue und in acht Jahren das Alte Testament. So wachsen Bibelkenntnis und Verständnis – und Gottes Wort bekommt Raum, in den Alltag hineinzusprechen. Wer sich darauf einlässt, nimmt deshalb nicht nur einen Kalender zur Hand, sondern verabredet sich für ein Jahr mit der Bibel.

Gerade für jüngere Menschen kann die digitale Ausgabe ein unkomplizierter Einstieg sein. Armbruster-Stephan ermutigt: »Auf jeden Fall kann man damit überall mal in den Andachtskalender reinschauen – zum Beispiel im Zug, im Wartezimmer oder in der Pause.«

 

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