»Das gute Stück passt nicht mehr«

Ende letzten Jahres machte in freikirchlichen Chören die Nachricht die Runde, dass »der CS« seine Arbeit einstellen werde. Kurze Zeit später war es »amtlich«: Zum 31. August 2022 beendet der Christliche Sängerbund, von vielen nur mit der Abkürzung »CS« genannt, seine Arbeit. Anfang Juli wurde in Kassel-Möncheberg Abschied gefeiert. Die dortige baptistische Gemeinde war Gastgeberin für eine Feier, die nicht nur den Schlusspunkt setzte. Es gab auch einen Neubeginn zu feiern.

Jahrzehntelang stilprägend

Stolze 143 Jahre lang hatte sich der CS – in der DDR die Arbeitsgemeinschaft evangelischer Gemeindechorwerke – als Chorwerk, dem zumeist freikirchliche Gemeinden angehörten, für geistliche Chormusik engagiert. In vielen Freikirchen war Chorarbeit ohne die Angebote des CS gar nicht vorstellbar. Die von Wuppertal kommenden Noten, Texte und Chorwerke waren über Jahrzehnte hinweg stilprägend. Das gilt nicht nur für die Chormusik. Etliche Lieder fanden Eingang in den Gemeindegesang und entwickelten sich zu christlichen Schlagern und »Ohrwürmern«.

Manche Namen von Textdichtern oder Komponisten kennen fast alle, die jahrelang in einem der Chöre mitsangen. Zum Beispiel den methodistischen Prediger Ernst Gebhardt (1832-1899), aus dessen Feder der aus dem Englischen übersetzte deutsche Text »Welch ein Freund ist unser Jesus« stammt. Aus neuerer Zeit sind Paul Ernst Ruppel (1913-2006), Horst Krüger (* 1952), Günter Balders (* 1942) und Hartmut Handt (* 1940) als prägende Text- und Musikschöpfer zu nennen.

Vom Mantel, der nicht mehr passte

Der alte Mantel, sorgfältig gewebt, der vor manchem Unwetter geschützt hat, ein wirklich gutes Stück, passe nicht mehr. So beschrieb der seit 2004 als CS-Bundesvorsitzender agierende Gabriel Straka sinngemäß die Situation, mit der das Chorwerk konfrontiert war. Nachdem in den 1930er-Jahren 40.000 Sänger und Sängerinnen zum CS gehörten, waren es zuletzt nur noch knapp 2.500. Die absehbar schmerzvolle Entscheidung wurde im November letzten Jahres getroffen, sodass Ende August die Arbeit des freikirchlichen Chorwerks endet.

Die Arbeit geht weiter – aber anders

Doch die Arbeit des CS, die in vielen Gemeinden reiche Frucht brachte, findet anderweitig Fortsetzung. Schulungen für Chöre und zur Chorleitung werden in zwei der am Chorwerk beteiligten Kirchen übernommen. Das neugegründete Musikreferat der Evangelisch-methodischen Kirche (EmK) und der Arbeitskreis Musik im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG, Baptisten) füllen die entstandene Lücke. Christoph Zschunke, der bisherige CS-Bundeskantor, wird von der EmK übernommen. Bei den Baptisten werden Sabine Heilmann und Dagmar Brinkema die Chorarbeit im erweiterten Arbeitskreis Musik vertreten. Beide waren im bis zuletzt in der Jugendchorarbeit des CS aktiv. Heilmann hauptamtlich als Musikreferentin und Brinkema ehrenamtlich im CS-Landesverband Nord-West.

Auch für die im Verlag Singende Gemeinde erfolgte Verlegung von Noten fand sich eine Lösung: Die verlegerische Arbeit wird künftig unter dem Dach des von Stuttgart und Kassel aus operierenden Unternehmens Blessings4You weitergeführt. Auch in Zukunft wird neue Chorliteratur zur Verfügung stehen, die von dem bisherigen ehrenamtlichen Team ausgewählt oder auch komponiert wird.

Viele kamen, viele sangen, viele grüßten

An der Feierstunde in Kassel wirkten ein Chor mit 24 Personen, der Bundesvorsitzende Gabriel Straka, der Bundeskantor Christoph Zschunke, Sabine Heilmann, Martin Sellke und Oliver Seidel mit. Grußworte sprachen Jörg Hermann für die Evangelisch-methodistische Kirche, Dagmar Brinkema für den Arbeitskreis Musik im BEFG, Tobias Blessing und Angela May für Blessings4you sowie Holger Dignus für den Bund Christlicher Posaunenchöre Deutschlands.

 

Weiterführende Links

Christlicher Sängerbund
EmK Musikreferat: www.emkmusik.de
Information zur Auftaktveranstaltung für das neue Musikreferat der Evangelisch-methodistischen Kirche (24./25.9.2022; PDF)

Mehr erfahren (externer Link)

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