06.11.2025
Evangelisch-methodistische KircheCharta Oecumenica aktualisiert
Die Ökumene in Europa schreitet voran: Am Mittwoch, 5. November 2025, unterzeichneten die Präsidenten der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK, englisch: CEC) und des römisch-katholischen Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) die 2. Ausgabe der Charta Oecumenica. In der Charta stehen die »Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa«. Es handelt sich um die erste Aktualisierung seit der Verabschiedung der Charta Oecumenica im Jahr 2001.
»Meilenstein hin zu christlicher Einheit in Europa«
Schauplatz der Unterzeichnung war Rom. Für die KEK unterschrieb deren gegenwärtiger Präsident, der orthodoxe Erzbischof Nikitas von Thyateira und Großbritannien, die überarbeitete Fassung. Vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen setzte dessen derzeitiger Präsident, Gintara Grušas, der Erzbischof von Vilnius (Litauen), seine Unterschrift unter das Dokument. Gemeinsam bekräftigten die beiden Unterzeichner das erneuerte Engagement für das fortgesetzte Brückenbauen zwischen den Kirchen in Europa. Viele methodistische Kirchen, darunter die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK), gehören zu den Mitgliedern der Konferenz Europäischer Kirchen.
Die aktualisierte Charta Oecumenica sei ein »Meilenstein hin zu christlicher Einheit in Europa«, heißt es auf der Website der KEK. Für den orthodoxen Erzbischof Nikitas ist das Engagement der Kirchen füreinander nicht nur theoretischer Natur. Er äußerte: »In einem zersplitterten und nichtkirchlichen Europa drängt uns die Charta, die Stärke unserer Gemeinschaft und die Dringlichkeit unseres Auftrags wiederzuentdecken. Wir müssen das Evangelium gemeinsam verkündigen, die Menschenwürde hochhalten und Seite an Seite für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung arbeiten.«
Der römisch-katholische Erzbischof Grušas sagte: »Unsere Kirchen sind dazu aufgerufen, Zeichen der Einheit und der Hoffnung zu sein – nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. Diese Charta rüstet uns dazu aus, gemeinsam auf die Wunden des Krieges, der Vertreibung und die ethischen Herausforderungen der neuen Technologien zu reagieren.« Die Charta rufe auch dazu auf, auf die Stimme junger Menschen zu hören und sie beim Gestalten des Wegs in die Zukunft einzubeziehen.
Neu: junge Menschen und neue Technologien
Der Text der Charta Oecumenica wurde in einem ausgedehnten Beratungsprozess von KEK und CCEE sowie den Kirchen in Europa inhaltlich und sprachlich neu gestaltet. Gegenüber der 1. Fassung von 2001 hat das aktualisierte Dokument einen Hauptteil mehr und vierzehn statt zwölf Kapitel (Leitlinien). Geblieben ist die Zweiteilung jedes Kapitels in Aussagen und Selbstverpflichtungen.
Neu hinzugekommen ist ein Kapitel zu jungen Menschen: Kapitel 6 am Ende des zweiten Hauptteils. Dort heißt es zu Beginn: »Junge Menschen sind nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart der Kirchen und der Ökumene.« Die Kirchen verpflichten sich gemäß der Charta, aktiv zu fördern, dass junge Menschen an Entscheidungsprozessen voll beteiligt werden und sie »in alle Aspekte des kirchlichen Lebens« einbezogen werden. Sie verpflichten sich weiter, »gemeinsam mit jungen Menschen Möglichkeiten zum spirituellen Wachstum und zur Entwicklung von Führungskompetenzen durch Jugendprogramme, Mentoring und Schulungen zu schaffen«.
Auch das letzte Kapitel ist neu. Es befasst sich mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz, Klonen und »neuartiger Kommunikation«. Sie veränderten »radikal« die Gesellschaft als Ganze. Sie beeinflussten »unser tägliches Leben zunehmend, mit weitreichenden noch nicht vollständig absehbaren Auswirkungen auf persönliche Beziehungen, Bildung, öffentliche Verwaltung und politische Systeme sowie auf unser Verhältnis zur Umwelt. Angesichts der rasanten Entwicklung neuer Technologien betonen wir die Notwendigkeit, sie für das Gemeinwohl zu nutzen«, heißt es in dem Dokument.
Aktualisierte Fassung auf Deutsch verfügbar
Die Präsidenten der Konferenz Europäischer Kirchen und des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen empfehlen den Kirchen in Europa, die 2. Ausgabe der Charta Oecumenica anzunehmen und an die regionalen und lokalen Gegebenheiten anzupassen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland hat auf ihrer Website bereits eine deutsche Übersetzung veröffentlicht.
Weiterführende Links
Charta Oecumenica, 2. Ausgabe (PDF, 324 KB)
Berichterstattung der ACK
Berichterstattung der KEK (englisch)