06.05.2026
Evangelisch-methodistische Kirche100 Jahre Zeltmission – Aufbruch mit »freiraum«
Ein vertrautes Kapitel geht zu Ende – und zugleich öffnet sich ein neuer Raum: Am 1. und 2. Mai würdigte die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Laichingen hundert Jahre Zeltmission und feierte den Start von »freiraum – Glaube geht raus«. Rückblick und Aufbruch gingen dabei spürbar ineinander über.
Begegnung unter weitem Himmel
Jeweils rund 200 bis 250 Besucherinnen und Besucher kamen an beiden Tagen auf die Schwäbische Alb – bei strahlendem Frühlingswetter. Zwischen den Programmpunkten blieb viel Raum für Begegnung: bei Kaffee und Kuchen, beim gemeinsamen Mittagessen oder am Abend am Lagerfeuer. Ein kleines Museumszelt lud dazu ein, in die Geschichte der Zeltmission einzutauchen, während Livemusik und besondere musikalische Akzente die Abende prägten. Was die Zeltmission immer ausgezeichnet hat, wurde auch an diesem Wochenende erlebbar: Gemeinschaft, Austausch und das Teilen von Glaubenserfahrungen – offen und einladend.
Ein Jahrhundert, das geprägt hat
Der Freitag stand ganz im Zeichen der Erinnerung. Hans-Martin Kienle nahm die Teilnehmenden mit hinein in ein Jahrhundert gelebter Evangelisation. »Menschen brauchen Orte, an denen sie Gottes Ruf im Herzen spüren und hören können«, so Kienle. Solche Orte seien über Jahrzehnte entstanden – für viele ein erster Zugang zum Glauben. Zugleich wurde deutlich: Diese Form hat ihre Zeit gehabt. Die Bilder voller Zelte gehören zur Geschichte. Sie wecken Dankbarkeit – und die Frage nach heute. Nostalgie allein trägt nicht weiter. Der Auftrag aber bleibt.
Dank und Loslassen
Der Festgottesdienst am Samstag, durch den Superintendent Matthias Kapp führte, machte deutlich: Dieser Übergang ist auch geistlich zu verstehen. Michael Löffler brachte den Dank im Namen von Bischof Werner Philipp ein – verbunden mit dem Bild vom Weizenkorn, das stirbt und Frucht bringt. Darin lag die Spannung des Tages: dankbar zurückschauen, loslassen – und darauf vertrauen, dass Gott Neues wachsen lässt.
»Werft das Netz aus« – der Impuls von außen
In seiner Predigt griff Christhard Elle die Erzählung vom wunderbaren Fischfang (Johannesevangelium, Kapitel 21) auf. Er zeichnete das Bild leerer Netze – und stellte es der überraschenden Fülle gegenüber. Der entscheidende Impuls kommt von außen: Ein Unbekannter am Ufer fordert die Fischer auf, es noch einmal zu wagen. Erst später erkennen sie: Es ist Jesus selbst. Elle deutete dies als Schlüssel für die Gegenwart der Kirche: Neues entsteht nicht aus eigener Kraft, sondern dort, wo wir uns ansprechen lassen – auch von ungewohnten Stimmen. »Echtes geistliches Wachstum entsteht nicht durch das Festhalten an alten Traditionen, sondern durch den Mut zum Aufbruch ins Ungewisse.« Dieser Aufbruch hat eine doppelte Richtung: hinaus zu den Menschen – und zugleich zurück zu uns selbst. Begegnung verändert, erweitert den Blick und lässt Glauben neu lebendig werden.
Am Ende steht nicht nur ein voller Fang, sondern Versorgung: Jesus selbst bereitet das Mahl am Ufer – augenzwinkernd sprach Elle vom »ersten Fischbrötchen der Geschichte«.
153 Fische – ein Zeichen der Fülle
Dieses biblische Motiv wurde im Gottesdienst anschaulich aufgenommen: 153 Fische – als kleine Tütchen mit Gummibärchen – wurden verteilt. Ein einfaches Zeichen, das bleibt: Gott schenkt Fülle, wo Menschen sich auf seinen Ruf einlassen. Zugleich wurden Mitarbeitende gesegnet. Dank wurde sichtbar, als viele aufstanden, die durch die Zeltmission geprägt wurden oder selbst mitgewirkt haben. Für einen Moment wurde greifbar: Diese Bewegung war nie nur ein Zelt, sondern ein Netzwerk von Menschen.
»freiraum« – Glaube geht weiter
Mit »freiraum« beginnt nun ein neuer Abschnitt. Nicht mehr die Einladung in ein Zelt steht im Mittelpunkt, sondern die Bewegung hin zu den Menschen. Gemeinden sollen ermutigt werden, eigene Formen zu entwickeln – offen, alltagsnah und mutig. Erste Ansätze wurden vor Ort bereits sichtbar: durch Gesprächsangebote, kreative Aktionen und vielfältige Gelegenheiten zur Begegnung, die den Gedanken eines Glaubens „unter freiem Himmel“ konkret werden ließen.
Gesandt in den freien Raum
Am Ende der Tage stand eine bewusste Sendung: Bernd Schwenkschuster stellte die Teilnehmenden unter Gottes Segen und sandte sie in den »freien Raum«. So wurde das Erlebte zur Bewegung: hinaus ins Leben, zu den Menschen, in neue Begegnungen.
Abschied und Anfang
Dieses Jubiläum war mehr als ein Abschied. Es war ein geistlicher Übergang – getragen von Dankbarkeit und Hoffnung. Der Blick zurück würdigt, was Gott getan hat. Der Blick nach vorn vertraut darauf, dass er es weiter tut.