„Der Tisch des Herrn ist kein Eintopf, sondern ein Buffet“

Vom 6. bis 10. Juli fand in Toronto die diesjährige Versammlung des Baptistischen Weltbundes (BWA) statt. BEFG-Präsidentin Natalie Georgi und Generalsekretär Dr. Maximilian Zimmermann waren als Delegierte dabei. Sie berichten von Begegnungen mit Christen und Christinnen aus 65 Ländern, theologischen Impulsen, aktuellen Herausforderungen und der Frage, wie Einheit in Vielfalt gelebt werden kann.

Einheit in Vielfalt – das ist in Toronto nicht nur ein Satz, sondern das wahre Leben. Leanne Friesen, Pastorin und Leiterin eines der vier großen kanadischen Baptistenbünde und Mit-Gastgeberin beim diesjährigen Treffen des Baptistischen Weltbundes (Baptist World Alliance, BWA) in Toronto, hieß die Delegierten in der kulturell vielfältigsten Stadt der Welt willkommen – mehr als 50 Prozent der Einwohner Torontos sind nicht in Kanada geboren, der Bürgermeister in Hong Kong. In den Räumlichkeiten der Tyndale University mit ihrer wunderschönen Kapelle versammelte sich die „BWA-Familie“ in all ihrer Vielfalt aus 65 Ländern um den einen Tisch des Herrn und um das eine Evangelium: „The Table of Christ – One Gospel, Many People“, so lautet das Thema der diesjährigen Versammlung. 

Wir, Natalie Georgi, Präsidentin des BEFG, und Dr. Maximilian Zimmermann, Generalsekretär des BEFG, haben die Konferenz Anfang Juli als Delegierte des Bundes besucht. Es war ein Geschenk und eine riesige Bereicherung zu erleben, wie baptistischer Glaube und baptistisches Leben aus 65 verschiedenen Ländern in diesen fünf Tagen zusammenkam und miteinander geteilt wurde. Starke geistliche Impulse, theologische Vertiefungen, Berichte aus allen Regionen der Baptist World Alliance, zahlreiche Arbeitsgruppen, die Verabschiedung von vier Resolutionen, gemeinsames geistliches Leben, sowie unzählige persönliche Begegnungen und Gespräche prägten die Tage in und mit der BWA-Familie. 

Leanne Friesen ermutigte in ihrer Predigt zu dem kurzen Satz der Jünger am Tisch des Herrn „Herr, bin ich’s?“ (Mt 26,22) darüber nachzudenken, worin wir als Menschen unserer Kultur unsere Identität finden: Wie kommen wir von dem „Danke, dass ich so nicht bin“ (in Anlehnung an Lukas 18,11) zu dem, wer wir in Christus sind und wofür wir einstehen? Die kanadischen Gastgeber sprachen offen, sympathisch, ehrlich, selbstkritisch und zugleich warmherzig und liebevoll darüber, was sie und ihre Kultur ausmacht: Offenheit, Toleranz, Vielfalt, Freundlichkeit, aber eben auch, hier und da, eine Prise „Danke, dass wir so nicht sind“. Und es war inspirierend, herausfordernd und stärkend zugleich, diese Fragen an sich selbst, die eigene Person und die eigene Kultur heranzulassen. Offen thematisiert wurde auch das unermessliche Unrecht, das bis in die jüngere Vergangenheit der indigenen Bevölkerung in Kanada widerfahren ist.

Theologisch vertieft wurde ein Teil dieser Gedanken durch den Vortrag von Dr. Daniel Zacharias, Professor für Neues Testament am kanadischen Acadia Divinity College in Mi’kma’ki (Nova Scotia). Als Baptist und Christ mit indigenen Wurzeln benannte er, dass sich das Evangelium, die gute Botschaft, durch die Art und Weise, wie es der indigenen Bevölkerung begegnet ist, für diese als schlechte Botschaft erwiesen hat – nämlich als ausschließliche Verneinung des indigenen Lebens und der indigenen Kultur. Demgegenüber rief Zacharias zu einem Verständnis des Evangeliums auf, das kultursensibel ist und die Vielfalt in Einheit wahrt, denn: „Der Tisch des Herrn ist kein Eintopf, sondern ein Buffet“ – der Glaube an Christus kocht die Unterschiede nicht zu einem gleichschmeckenden Einheitsbrei ein, sondern vereint die vielfältigen und besonderen Speisen durch das eine Evangelium an dem einem Tisch des einen Herrn. Daniel Zacharias hat hier ein starkes persönliches und zugleich theologisch tiefes Plädoyer dafür gehalten, dass Unterschiede im Glauben bleiben dürfen und dass Christen und Christinnen zugleich ihre Einheit in Jesus Christus finden können. Daniel Zacharias wurde für sein Engagement im Rahmen der Ratstagung der Denton & Janice Lotz Human Rights Award 2026 verliehen.###3_IMAGES###Auch die Berichte und Zeugnisse aus den verschiedenen Regionen der BWA haben eindrucksvoll gezeigt, dass die Themen und Herausforderungen keineswegs überall die gleichen sind. In großer Solidarität und Verbundenheit haben wir als BWA-Familie miteinander das Schwere getragen, geklagt, gebetet und uns genauso über die Segengeschichten aus den unterschiedlichen Bünden und Regionen gefreut und Gott gelobt.

Alan Donaldson, Generalsekretär der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF), wies auf die Herausforderung des (zum Teil sogenannten christlichen) Nationalismus in Europa hin und auf die wichtige christliche Botschaft, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Die Ehrenpräsidentin der Asia Baptist Woman Union, Vernette Myint Myint San (Myanmar/Singapur), brachte ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass durch die TV-Bilder der Fußballweltmeisterschaft das Gebet eine Öffentlichkeit bekommen hat – und bezog sich dabei auf das Gebet einiger Spieler der Nationalmannschaften Curaçaos und Deutschlands in der Vorrunde der WM.

Die BWA-Familie wird größer: Mit großer Freude hat die BWA-Gemeinschaft die Mongolian Baptist Convention als Mitglied des Baptistischen Weltbundes aufgenommen. Der Baptistenbund in der Mongolei umfasst 14 Gemeinden mit 500 Mitgliedern.

Der Rat hat außerdem vier Resolutionen verabschiedet. Die erste Resolution ruft Gemeinden dazu auf, Barrieren abzubauen, um Menschen mit Beeinträchtigungen und Unterstützungsbedarf ohne Hindernisse am Tisch des Herrn willkommen zu heißen („Empowering and Caring for People with Disabilities and Special Needs“). Die zweite Resolution ruft die Gemeinden dazu auf, sich entschieden für Kinder einzusetzen, die in herausfordernden, prekären und bedrohlichen Situationen leben – durch Armut, Vertreibung, Gewalt, Ausbeutung und Trennung von ihren Familien („Serving Vulnerable Children“). Die dritte Resolution ruft zu einem ganzheitlichen Missionsverständnis auf, das das Evangelium in Wort und Tat verkündigt und sich auf alle Bereiche des Menschenlebens bezogen wissen möchte; außerdem weist die Resolution darauf hin, dass Mission im globalen Christentum nicht von wenigen und einzelnen Orten, etwa vom „Westen“, ausgeht und als Einbahnstraßenkommunikation funktioniert, sondern dass Mission polyzentrisch entsteht, also überall aufbrechen kann und aufbricht: damit Menschen sich wechselseitig zwischen Ländern, Kulturen und Weltregionen dienen und begegnen („Integral und Polycentric Mission as Guiding Missional Principles“). Die vierte Resolution des BWA-Rats 2026, die – wie alle anderen – mit überwältigender Mehrheit verabschiedet wurde, ruft dazu auf, in der Nachfolge Jesu als Friedensstifter in dieser Welt zu wirken und sich für eine verantwortliche und respektvolle Beziehung zwischen Ländern und Nationen einzusetzen ( „Just Peace and Accountability Among Nations“).

Bereits im Jahr 2024 hat der Generalsekretär des Baptistischen Weltbundes, Elijah Brown, das Acts-2-Movement vorgestellt und an den Start gebracht. Es soll Gemeinden erneuern und die Welt durch das Evangelium verändern. Bis ins Jahr 2033 ist die baptistische Weltgemeinschaft eingeladen und aufgerufen, auf den Pfaden von Apostelgeschichte 2,42-47 unterwegs zu sein – auf dem Zeugnispfad (Ziel: 450 Millionen Glaubenszeugnisse weltweit bis 2033), auf dem Nachbarschaftspfad (Ziel: 500.000 Menschen weltweit bis 2033, die sich geistlich und seelsorgerlich in ihrer Nachbarschaft einsetzen), auf dem Bibelpfad (Ziel: die Unterstützung von 1.159 Bibelübersetzungen in Sprachen, in die die Bibel bisher noch nicht übersetzt ist), auf dem Pfad der Religionsfreiheit (Ziel: 1.000.000 Unterschriften für die Petition der BWA zur Religions- und Gewissensfreiheit bis 2033) und auf dem Fürsorgepfad (Ziel: 1.000.000.000 konkrete Hilfeleistungen weltweit bis 2033). In Toronto haben erste Gemeinden und Bünde davon berichtet, wie sie sich in das Acts-2-Movment eingeklinkt haben. So hat beispielsweise der Dänische Baptistenbund entschieden, pro Jahr einen der fünf Wege in den Blick zu nehmen. Lone Møller-Hansen berichtete, dass man dafür eine eigene Bibellese-App entwickelt hat, die den Gemeinden in Dänemark zur Verfügung steht. Apostelgeschichte 2 ist auch für die baptistische Bewegung in Deutschland von Anfang an prägend gewesen. Wir würden uns freuen, wenn auch wir uns auf unsere Weise dieser weltweiten baptistischen Bewegung anschließen würden und werden in einer der nächsten Präsidiumssitzungen darüber sprechen, wie das konkret aussehen kann. 

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