30 Jahre Ordination von Frauen im BEFG

Seit 1992 werden Frauen im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) als Pastorin ordiniert. „Verzeiht uns!“, bat BEFG-Präsident Michael Noss stellvertretend die Frauen, die aufgrund ihres hauptamtlichen Dienstes in Gemeinden leiden mussten. Auf dem Bundesrat berichteten zudem vier Pastorinnen aus verschiedenen Generationen von ihren Erfahrungen.

„Das war mühsam“, erinnerte Präsident Michael Noss an die zaghaften Anfänge, als man im BEFG begann, über die Zulassung von Frauen als „Predigerinnen“ nachzudenken. „Der erste Schritt wurde gegangen, indem zwei Frauen am Seminar zum Studium zugelassen wurden“, so Noss auf der Bundesratstagung im Rahmen des Berichtes des Präsidenten und des Generalsekretärs. Er habe es nie verstanden, dass man Unterschiede zwischen Männern und Frauen macht, wenn es um das Begabungspotential geht. „Die ersten Frauen, die ihren Dienst als Hauptamtliche, im Dienst einer Pastorin – wie sie damals noch nicht heißen durften – aufgenommen haben, haben schwer leiden müssen. Und es ist hier der Ort, an dieser Stelle auch zu sagen: Verzeiht uns!“ Die Entschuldigung des Präsidenten wurde von tosendem Applaus der Delegierten unterstützt.

„Gott begabt Menschen, Männer und Frauen, und er stellt sie in seinen Dienst. Seit 30 Jahren dürfen sie jetzt auch Pastorinnen heißen – und nicht mehr nur theologische Mitarbeiterin“, fügte Michael Noss dankbar hinzu. Dass es immer noch Gemeinden gibt, die das anders sehen, gehöre zu unserer Vielfalt als Gemeindebund. Aber auch in diesem Punkt gelte: „Lasst uns im Gespräch bleiben und miteinander reden!“

„30 Jahre Ordination zur Pastorin – so lange und so kurz“, blickte Pastorin Andrea Kallweit-Bensel, Präsidiumsmitglied und Dozentin an der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest, auf die Zeit zurück. Nach 30 Jahren sei es keine Jubelveranstaltung, aber eine Wegmarke. Sie berichtete: „Auf der Bundeskonferenz 1992 – vor 30 Jahren – wurde nach sehr emotionalen und konträren Beratungen beschlossen, dass Frauen zur Pastorin ordiniert werden können.“ Aber schon vorher habe es Frauen in Ost und West gegeben, die ihren pastoralen Dienst versehen haben. „Im Westen, in Hamburg, war Carmen Rossol die erste Frau, die am Theologischen Seminar studiert hat und dann auch in ihrer Gemeinde Pastorin genannt wurde“, so Kallweit-Bensel. Sie selbst wurde 1987 als theologische Mitarbeiterin ordiniert, war in ihrer Gemeinde jedoch stets „die Pastorin“. Auch wenn sie zum Teil sehr heftigen Widerstand zu überwinden hatte, zeigte sie sich dankbar für diese Wegmarke und den gemeinsamen Weg bis dorthin. ###3_IMAGES###Franziska Suhail, Pastorin der EFG Schleswig, ist in einer Brüdergemeinde aufgewachsen und mittlerweile über zehn Jahre im Gemeindedienst. Sie ist dankbar für Kolleginnen, die ihr auf ihrem Weg Vorbild und Gegenüber waren und bis heute sind, die Themen vorangebracht und Gemeinden neu bewusstgemacht haben. „Ich bin dankbar für Gemeinden, die sich darauf eingelassen haben, dass auch Frauen ‚ganz gut‘ predigen können“, so Suhail. Denn sie habe – insbesondere bei der Verteilung von Reisediensten – auch die Erfahrung gemacht, dass Frauen nicht auf allen Kanzeln willkommen sind. Und Gemeinden, die immer noch skeptisch gegenüber Frauen auf der Kanzel sind, sagte sie: „Ihr verpasst etwas!“ Nach Abklingen des Applauses erzählte sie, dass sie schon bei der Vermittlung in den pastoralen Dienst aufgrund ihres Geschlechts bereits vor der Einladung in eine Gemeinde abgelehnt wurde – mit der Begründung, dass dann zu viele Frauen in der Gemeindeleitung vor Ort wären. Das mache sie betroffen, wenn Frauen ihre Berufung abgesprochen wird. Dennoch sei sie dankbar für diese Wegmarke und für Gemeinden, die allen Hauptamtlichen den Rücken stärken.

„Ob ich eine Frau bin oder nicht, ist für meine Predigt irrelevant“, davon ist Maike Böhl, seit kurzem Pastorin in der EFG Uetersen, überzeugt. In einer Gemeinde habe sie ein Kompliment für ihre „gute Predigt obwohl sie eine Frau ist“ erhalten. Das sei ihr „bitter aufgestoßen“. „Auch, wenn ich schlecht gepredigt hätte, hätte das nichts mit meinem Geschlecht zu tun gehabt“, so Böhl. Sie erlebt Frauen im pastoralen Dienst als selbstverständlich. Sie wünscht sich, dass ganz bewusst Frauen für Predigten angefragt werden und dass Gemeinden weiterhin Frauen im Dienst thematisieren, damit bei aller Selbstverständlichkeit die biblischen Grundlagen und der exegetische Rahmen bekannt sind.

Die Sprecherin der Pastorinnen, Sigrid Falk, Pastorin in der EFG Marburg, berichtete, dass der Anteil von Pastorinnen im aktiven pastoralen Dienst derzeit bei 17 Prozent liegt, im Anfangsdienst sind es zurzeit fast 37 Prozent. Alle drei Jahre gebe es zudem eine Pastorinnentagung zum Austausch und zur Fortbildung. „Dadurch, dass Frauen Pastorinnen geworden sind, hat sich am pastoralen Dienst viel verändert“, sagte sie. Teilzeitanstellungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien zum Beispiel mehr in den Fokus gerückt. Auch die Vorstellung von Pastorenehepaaren und Singlepastorinnen passe nicht zu dem klassischen Bild eines Pastors. „Die Lebensentwürfe sind unterschiedlich und diese Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen miteinander, von uns gemeinsam im Dienst der Gemeinde im Reich Gottes für unseren Herrn Jesus – das öffnet uns den Himmel.“

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