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baptisten
16.07.2018, von Dr. Michael Gruber

Sozialethische Dimension des Evangeliums hochaktuell

Die Leitung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat anlässlich des 100. Todestages des baptistischen Theologen Walter Rauschenbusch dazu aufgerufen, sich verstärkt mit der sozialethischen Dimension des Evangeliums zu beschäftigen: „Frieden und Gerechtigkeit zu suchen gehört heute wie vor hundert Jahren zu den vordringlichen Aufgaben der Kirche.“

Präsidium und Bundesgeschäftsführung der Freikirche beschreiben den deutsch-amerikanischen Rauschenbusch, der am 25. Juli 1918 starb, in einer heute veröffentlichten Stellungnahme als „eine der prägenden Gestalten des Baptismus, dessen theologisches Erbe noch heute Beachtung findet.“

Zusammen mit dem Aufruf hat der BEFG einen Text von Prof. Dr. Ralf Dziewas herausgegeben. Darin würdigt der Professor für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie an der Theologischen Hochschule Elstal das Wirken Rauschenbuschs: „Er war einer der prägenden Theologen der Social-Gospel-Bewegung. Seine Sozialtheologie hat nachfolgende Generationen bis hin zu Martin Luther King entscheidend geprägt.“ Dziewas kommt zu dem Schluss, angesichts der aktuellen Fragen nach einer gerechten Weltwirtschaftsordnung böten Rauschenbuschs Schriften anregende Impulse, die soziale Verantwortung des christlichen Glaubens neu zu bedenken: „Das Reich Gottes ist keine Vertröstung für das Jenseits. Das Reich Gottes ist dort im Anbruch, wo diese Welt hin zu mehr Gerechtigkeit verändert wird. Diese Einsicht ist eines der Vermächtnisse, für die der baptistische Theologe Walter Rauschenbusch mit seiner Sozialtheologie bis heute Beachtung verdient.“

BEFG-Präsidiumsmitglied Frank Fornaçon betonte, obwohl einige Aussagen Rauschenbuschs nur aus seiner Zeit heraus verstanden werden könnten, halte die Leitung des Bundes Rauschenbuschs Theologie im Grundsatz für hochaktuell. Zwar könne man etwa den Kapitalismus „nicht pauschal als ‚von Gier und Konkurrenz geprägte Sünde‘ beschreiben“, doch eine intensive Auseinandersetzung mit den negativen Folgen des Weltwirtschaftssystems sei „unabdingbar“. Die Liste der Probleme sei „riesig“, und die Nachrichten machten dies täglich deutlich: „Immer mehr Menschen arbeiten fast rund um die Uhr und leben dennoch in Armut. Kinder sind immer öfter von Armut betroffen, und Familien reicht ein Gehalt häufig nicht mehr für ein gutes Leben. Menschen in ärmeren Ländern schuften oft unter menschenunwürdigen Bedingungen, wodurch wir im Westen günstige Produkte kaufen können. Und weltweit geht die Schere zwischen Arm und Reich stetig weiter auseinander.“ Natürlich könne die Kirche all diese Probleme nicht lösen, doch es gelte, aus dem Evangelium heraus Impulse zu setzen und Dinge im Kleinen zu verändern: „Wie Rauschenbusch die Not der deutschen Migranten im New Yorker Elendsviertel Hell’s Kitchen zum Handeln veranlasst hat, darf auch uns heute die Situation unserer Mitmenschen nicht kaltlassen. Es ist die Liebe Gottes zu den Menschen, die uns aktiv werden lässt und die es weiterzugeben gilt. Den von Ungerechtigkeit und Benachteiligung Betroffenen wollen wir uns zuwenden, wie es im diakonischen Engagement vieler Gemeinden eine lange Tradition hat.“


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