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Erklärungen

Wort der Vereinigung Evangelischer Freikirchen zum Themenkomplex Kreationismus/"Intelligent Design"

Karlsruhe, am 20. November 2007

In den Medien werden derzeit mit gewisser Regelmäßigkeit die Themen „religiöser Fanatismus“, „religiöser Fundamentalismus“ und im Besonderen die Unterthemen „nordamerikanisches Freikirchentum“, die „Evangelikalen“, die Bewegung der „Kreationisten“ und des „Intelligent Design“ verhandelt. In vielen Fällen geht der Blick dann auf die bundesrepublikanische Kirchenlandschaft und vermerkt, dass auch hierzulande die Ausbreitung des christlichen Fundamentalismus, als weiterer kultureller Import aus den USA, vorangeschritten sei. Nach Coca-Cola, McDonalds und Microsoft käme nun der christliche und auch der christlich-politische Fundamentalismus in Deutschland an. Als Heimat habe er die evangelikale Bewegung in den Volks- und Freikirchen und im speziellen die Freikirchen gefunden. Hier blühe der Kreationismus und haben die Anhänger des Intelligent Design ihr Zuhause.

Die vereinfachende Einordnung dieses und anderer Themenkomplexe unter der schwammigen Überschrift „Evangelikaler Fundamentalismus“ ist den Freikirchen gegenüber aber unangemessen und in der Sache nicht zutreffend.

Hintergrund: Die Freikirchen entwickelten sich historisch durch Ab- aber auch Ausgrenzung als Kontrastmodell zu Staats-, Territorial- oder Volkskirchen. Die in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in Deutschland zusammengeschlossenen Freikirchen sind aus der evangelisch-reformatorischen Tradition hervorgegangen. Sie sind evangelische Kirchen und ein wichtiger und gewichtiger Teil des weltweiten Protestantismus. In ihnen leben Christinnen und Christen, die sich in freier Willensbildung und als religiös mündige Bürger für die Zugehörigkeit zu der jeweiligen Freikirche entschlossen haben. Sie gestalten gemeinsam das so genannte „Priestertum aller Glaubenden“ – überwiegend also den Verzicht auf kirchliche Hierarchie und die Unabhängigkeit von Personen und Ämtern. Die Freiheit des Glaubens und des Gewissens finden darin ihren Ausdruck, dass in den freikirchlichen Gemeinden geistliche und ethische Standpunkte in der Regel von der Basis her verortet werden. In den Ortsgemeinden werden diese Themen miteinander bearbeitet und findet der Meinungsbildungsprozess seine Konkretion. Darum ist die Vielfalt des gelebten Glaubens in den Freikirchen so lebendig und groß. Und darum ist eine pauschale Einordnung unter Begriffen wie „Evangelikal“ oder sogar „Fundamentalistisch“ nicht der Situation angemessen.

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen gibt zum Themenkomplex Kreationismus/Intelligent Design darum folgende aktuelle Erklärung ab:

Vertreter der Evolutionstheorie, aber auch des Intelligent Design und auch Anhänger des Kreationismus haben nebeneinander ihren Platz in den Freikirchen. Um den Wahrheitsanspruch der sich einander ausschließenden Deutungsmodelle wird zum Teil heftig gerungen. Die jeweils Anderen wegen ihrer Sichtweise nicht zu verurteilen, ist dabei eine gegenseitige innerkirchliche Herausforderung.

Trotz des teilweise heftigen Ringens besteht weitestgehende Einigkeit darin, die Existenz Gottes „weder so noch anders“ beweisen zu können. Absolut einig ist man sich über die Unmöglichkeit, die Nicht-Existenz Gottes beweisen zu wollen. Hier mahnen wir die Wissenschaften, ihre innerdisziplinären Grenzen nicht zu übersehen.

Als VEF sind wir der Meinung, dass es unangemessen ist, aus religiöser Haltung heraus die Wissenschaften zu diskreditieren. Jedoch reklamieren wir auch, dass es umgekehrt ebenso unangemessen ist, für wissenschaftliche Überzeugungen eine areligiöse Haltung zur Vorbedingung zu machen. Es gilt die Unterscheidung der Daseins-Ebenen, aber für uns auch die Erkenntnis, dass zu den letzten Fragen, den Fragen nach dem Woher und Wohin, dem Wozu des menschlichen Lebens, die Wissenschaften nur unzureichende Antworten bieten. Es ist auch nicht ihre Aufgabe dies zu tun. So, wie wir die Religionsfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche positiv werten, halten wir grundsätzlich auch die Trennung von Glaube und Wissen wissenschaftstheoretisch für überzeugend. (Wohl aber ist aller Glaube auch im Angesicht der wissenschaftlichen Erkenntnis zu gestalten und kann bei aller wissenschaftlichen Erkenntnis der Glaube über das Beweisbare hinaus Antworten finden und geben.

Neben aller wissenschaftlichen Erkenntnis wünschen wir uns für unsere Gesellschaft die Offenheit und den Platz für den weiteren Horizont des biblischen Glaubens. Wir sind der Überzeugung, dass ein ausschließlich auf wissenschaftlichen Erklärungsmethoden beruhendes Weltbild zu kurz greift. Aber wir betonen auch, dass Gott weder der „Lückenbüßer“ unserer Erkenntnisdefizite ist, noch wollen wir ihn auf den jeweiligen Stand der menschlichen Erkenntnis eingeengt wissen. Die Evolutionstheorie als allein innerweltliches Erklärungsmodell stellt diese Fragen natürlicherweise nicht und schweigt sich konsequenterweise über alternative Antwortmöglichkeiten aus. Wir aber sind von der Schönheit der Schöpfung tief bewegt und beeindruckt und sprechen gemeinsam mit den Menschen jüdischen Glaubens den ersten Vers des Buches Genesis: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ ER ist der Ursprung und Urgrund der Welt! ER rettet und erlöst, schafft und regiert. Das sind Sätze des Glaubens, die allen Menschen Halt und Perspektive geben können.

IHM wollen wir Loblieder singen und mit unserem Leben eine schöpfungsgemäße und die Schöpfung achtende Ehrerbietung entgegen bringen.

In dieser Haltung sehen wir uns nicht als Feinde der Naturwissenschaften, sondern als Ergänzung zu ihnen und bitten um einen konstruktiven, interdisziplinären Dialog, bei dem wir unser gläubiges Staunen über die Faszination der Schöpfung offen zeigen dürfen.

Verabschiedet von der Mitgliederversammlung der VEF am 20.11. 2007 in Karlsruhe.