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VEF
20.09.2019, von Dr. Gabriele Riffert

Ökumene der Kirchen als gutes Beispiel für internationale Beziehungen zwischen Staaten

Am 18. und 19. September tagte die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Augsburg. Vom BEFG delegiert waren Manfred Ewaldt, Ulf Beiderbeck und Generalsekretär Christoph Stiba.

Gleich mit mehreren aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen hat sich die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Deutschland im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung befasst.

Eines davon war die geplante Änderung der Beschäftigungsverordnung, die ausländische Seelsorger betrifft. Diese sollen vor Erhalt einer Einreisegenehmigung nach Deutschland beweisen, dass sie über hinreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen. Die Mitglieder unterstützten den Brief, den der Vorstand der ACK an die zuständigen Ministerien geschrieben hat. Darin wird festgestellt, dass die geplante Änderung auch erhebliche negative Folgen für die pastorale Praxis mehrerer ACK-Mitgliedskirchen hätte und massiv ins Selbstbestimmungsrecht der Kirchen eingreife, das im Grundgesetz verankert sei.

Tendenz zur „Archipelisierung“?

Reverend Sören Lenz, Exekutivsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) in Straßburg, referierte im Rahmen der Mitgliederversammlung zum Thema „Kurz vor dem Brexit – nach der Wahl: Europa vor einer Zerreißprobe?“. Anhand der Beispiele der „Gelbwestenbewegung“ in Frankreich, des Brexit und des Erstarkens der AfD in Deutschland arbeitete er heraus, dass sich größere Teile der jeweiligen Bevölkerung von den politischen Eliten auf nationaler und internationaler Ebene nicht mehr vertreten fühlten. Dabei handle es sich vielfach um Angehörige der Mittelschicht, die von Abstiegsängsten geplagt sei. Deshalb fühlten sie sich von populistischen Unabhängigkeitsbestrebungen angesprochen. Insgesamt, so Sören Lenz, setze sich die Tendenz zur „Archipelisierung“ fort.

Menschen bewegten sich zunehmend innerhalb von Gruppen, die ihre eigenen Überzeugungen teilten. Zu dieser „Blasenbildung“ trügen auch die Sozialen Medien wesentlich bei. Zugleich lasse sich auch innerhalb der Kirchen die Tendenz feststellen, dass sie in ihrer Positionierung zu grundsätzlichen Fragen, wie zum Beispiel im Bereich von Ehe und Familie, auseinanderdriften.

Die Kirchen könnten in ihren internationalen Organisationen wie der KEK gleichwohl ein positives Beispiel für ein konstruktives und zukunftsweisendes Miteinander in Europa geben. Sie lebten gerade auf dem Gebiet der Ökumene nach dem Grundsatz der versöhnten Verschiedenheit und der „Einheit in Vielfalt“.

Jahr der Ökumene 2021

Die Mitgliederversammlung der ACK Deutschland hatte sich auch intensiv mit dem Jahr 2021 beschäftigt, in dem gleich mehrere, für die Ökumene höchst relevante Ereignisse stattfinden: Neben dem Dritten Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main treffen sich ca. 755 Delegierten und über 4000 Gäste und Beobachter des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe zu ihrer Vollversammlung. Zudem werden auch 2021 die Gebetswoche für die Einheit der Christen und der Ökumenische Tag der Schöpfung durchgeführt. Die bundesweite Eröffnungsveranstaltung zu letzterem soll im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Bodensee begangen werden. Aufgrund dieser Häufung bedeutsamer ökumenischer Ereignisse sprachen sich die Mitglieder der ACK Deutschland für ein gemeinsames Jahresmotto aller ökumenischen Veranstaltungen unter dem Titel „2021: Jahr der Ökumene“ aus.

Multilaterale Kooperation

Im Hinblick auf die Vorbereitung des Dritten Ökumenischen Kirchentags betonte die Mitgliederversammlung der ACK Deutschland, dass es sich bei Ökumene nicht nur um das Miteinander von evangelischer und römisch-katholischer Kirche handle, sondern vielmehr um eine multilaterale Kooperation. Die Mitgliederversammlung sprach sich deshalb für eine starke Präsenz der ACK auf dem Ökumenischen Kirchentag aus.

Die Mitgliederversammlung erinnerte außerdem an 20 Jahre „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“. Dies war in Form eines vorgeschalteten Studientages erfolgt. Außerdem nahm sie einen Text an, den der Deutsche Ökumenische Studienausschuss (DÖSTA) dazu vorbereitet hatte und verabschiedete in diesem Zusammenhang eine eigene Erklärung.

Der 1999 von der römisch-katholischen Kirche und vom Lutherischen Weltbund unterzeichneten Erklärung haben sich inhaltlich mittlerweile auch der Weltrat methodistischer Kirchen, die Anglikanische Gemeinschaft sowie die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen angeschlossen. Weitere Konfessionen diskutieren, wann sie dies gegebenenfalls tun können. Die Einheit in Vielfalt hat Zukunft.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung besuchten der neue Vorsitzende der ACK, Erzpriester Konstantin Miron, und die neue Geschäftsführerin der ACK, Dr. Verena Hammes, die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), die durch den Präsidenten Christoph Stiba und das Vorstandsmitglied Frank Uphoff, Vizepräses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), vertreten war. In diesem Gespräch wurde die vertrauensvolle Zusammenarbeitvon VEF und ACK gewürdigt. Die ACK betonte, dass neben den beiden in Deutschland großen Kirchen und den Orthodoxen die Freikirchen eine weitere wichtige Säule der ACK-Arbeit seien.


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