Jesus als Vorbild für Piloten: Glaube als Flugkapitän eines Airbus A 300
"Take Off!" - der Flug beginnt, ich führe die Schubhebel nach vorne. Draußen wird es laut, drinnen ganz leise. Der Job als Pilot gilt als technischer Beruf, wir sind in Technik eingepackt. - über 1.700 Schalter, Instrumente, Anzeigen und Warnlampen habe ich auf einem ruhigen Nachtflug nach Afrika mal gezählt. Macht es da noch einen Unterschied, ob in solch einem "Uhrenladen" ein Christ sitzt oder nicht?
Tatsächlich aber ist mein Alltag als Kommandant alles andere als von Technik dominiert. Mit bis zu 50 Menschen habe ich vor dem Abheben zusammengearbeitet - darunter die Crew, die ich kurz vor dem Abflug kennen lerne. Die ersten zwei Minuten mit dem Team entscheiden über die Atmosphäre, in der die kommenden Tage gearbeitet wird. Kompromisslose Führung in menschlich maximaler Distanz - oder offen ausgesprochenes Interesse kombiniert mit warmherziger Motivation zu erstklassiger Arbeit - was ist mein Führungsstil?
In der extrem leistungsorientierten Welt der Fliegerei erhalten diese beiden Stile gern Kurzbezeichnungen wie "Kerl" oder "Weichei". Aber gerade in der Frage des Führungsstils ist Jesus für mich das Top-Vorbild. Jesus hat das gelebt, was bei Menschen nur selten zu beobachten ist: Er war von Herzen sanftmütig und zeigte den Menschen, die ihm folgten, gleichzeitig glasklare Grenzen ihres Handelns. Das Ergebnis war ei erstklassiges Zwölfer-Team.
Der Führungsstil von Jesus begeistert mich. Seine Grundideen in einer fast gleich großen Crew umzusetzen, fordert mich heraus. von der Qualität meines Königs bin ich dabei Lichtjahre entfernt, aber Sanftmut, Verständnis, Fürsorge und Geduld erlebe ich immer wieder als Basis, auf der richtig gute Arbeit geleistet wird.
Jesus oder Boxsack?
Den Rat von Jesus habe ich bei meiner Arbeit oft bitter nötig. Neulich war mal wieder der Wurm drin: Schlechtes Wetter in Frankfurt, zu wenig Personal am Boden, der Tankwagen zu spät - 90 Minuten Verspätung. Als Crew zogen wir alle Register, um die Zeit aufzuholen. Drei Flüge später schlossen sich auf die Minute pünktlich die Türen zu unserem letzten Flug des Tages. Wir klopften uns gegenseitig auf die Schultern - und dann fehlte der Schlepper am Bugfahrwerk. Der zuständige Kollege hatte das Gerät 20 Minuten später bestellt, weil er trotz meiner Anrufe nicht glaubte, dass wir es on-time schaffen würden.
In solchen Momenten denke ich zunächst mal nicht an das Vorbild Jesus, sondern an einen Boxsack. Momente, in denen ich vom Arbeitstempo "Vollgas" auf "Stillstand" gezwungen werde, erlebe ich als schwere Krisen. Jetzt muss sich erweisen, ob Kampfgeist und Sanftmut in meinem Charakter sich zu einer alltagstauglichen Ehe verheiratet haben. Und ich stelle fest. Nicht Teambildung ist meine große Herausforderung, sondern meine Konfliktfähigkeit in Krisen. Dann weiß ich wieder, dass ich Sünder bin und träume von den Früchten des Geistes - Liebe, Sanftmut, Geduld. Tolle Führungskonzepte kann ich im beruflichen Alltag mit Schwung in die Tonne werfen, wenn meine Jesus-Nachfolge nicht auch in solchen Momenten greift.
Matthias Schultz ist ehrenamtlicher Gemeindeleiter der Paulus-Gemeinde Bremen und arbeitet im Hauptberuf bei der Lufthansa. Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung durch den SCM Bundes-Verlag (Witten) übernommen aus Aufatmen, Sonderheft 2011 "Glaube am Montag", S. 67.
