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Wort der Vereinigung Evangelischer Freikirchen: Herausgefordert zum sozialen Handeln

Dorfweil/ Taunus, am 23. April 2002

Die evangelischen Freikirchen und ihre gesellschaftliche Verantwortung

Die in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) verbundenen Kirchen und Gemeindebünde sehen ihre Hauptaufgabe darin, das Evangelium von der Liebe Gottes zu allen Menschen in Wort und Tat zu verkündigen, wie es in der Präambel der VEF-Ordnung heisst. Dabei gehören die Vermittlung des persönlichen Glaubens, die Hilfe für den einzelnen Menschen und die Mitverantwortung für die Gesellschaft unlösbar zusammen.

1. Herausgefordert durch den Auftrag Gottes
1.1 Gott liebt die Welt und uns als Menschen, die er nach seinem Bild geschaffen hat. Er beteiligt uns an der Verantwortung für seine Schöpfung und das Leben der Menschen. Obwohl wir immer wieder Schuld auf uns laden, hält er an seinem Auftrag fest. (1. Mose 2, 15)

1.2 Durch den Glauben an Jesus Christus werden wir von Schuld befreit und zu einem Leben nach Gottes Masstäben befähigt. Wir verkündigen das Evangelium, wir helfen Menschen in Not und setzen uns für die Veränderung ungerechter Strukturen ein. Damit beginnen wir, heute schon das zu gestalten, was der neuen Welt Gottes verheissen ist. (Matthäus 5, 1-12)

1.3 In der Gemeinde am Ort werden die Begabungen und Erfahrungen der Einzelnen vom Geist Gottes zu einer tragfähigen Gemeinschaft verbunden. Auf dieser Basis können Christen das in die Gesellschaft einbringen, was Gott ihnen gegeben hat. (1. Korinther 12, 12-27)

2. Herausgefordert durch die aktuelle Situation der Gesellschaft
2.1 Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, in unserer Gesellschaft wie im globalen Masstab. Trotz des Einsatzes vieler Menschen für Gerechtigkeit nimmt die Ungerechtigkeit zu.

2.2 Auch nach dem Ende des Kalten Krieges ist die Welt nicht friedlicher geworden. Ethnische Konflikte, Bürgerkriege und die Bedrohung durch terroristische Gruppen breiten sich aus. Die internationalen Bemühungen um Frieden und Sicherheit halten damit nicht Schritt.

2.3 Trotz der zunehmenden Gefährdung der Umwelt ist die Bereitschaft in unserer Gesellschaft, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, gesunken. Das verantwortungslose Handeln Einzelner und in der Wirtschaft zerstört die Lebensgrundlagen der Menschheit.

2.4 Die zunehmende Unübersichtlichkeit des Lebens löst Angst und Unsicherheit aus. Im Zusammenhang mit dem Verfall von Werten entsteht ein Klima, das sowohl den Egoismus als auch die Anpassung an falsche Autoritäten fördert.

3. Herausgefordert durch die eigene Unzulänglichkeit
3.1 In der Geschichte der evangelischen Freikirchen hatte die Sorge um den Einzelnen und sein persönliches Heil immer ein großes Gewicht. Dies führte nicht selten dazu, dass der Blick für die Erfordernisse des Gemeinwesens getrübt wurde.

3.2 Durch ein einseitiges Verständnis der Heiligen Schrift wurde ein Denken begünstigt, das die Glaubenden von ihrer politischen Mitverantwortung weitgehend dispensierte und sie oft unfähig machte, unheilvolle Entwicklungen zu erkennen.

3.3 Auch wenn Einzelne dagegen Widerstand geleistet haben, müssen wir bekennen, dass wir als evangelische Freikirchen vor Gott und Menschen schuldig geworden sind. Diese Erkenntnis soll uns helfen, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

4. Anknüpfen an unsere Traditionen
4.1 Bei ihrer Entstehung mussten die evangelischen Freikirchen die Freiheit des Glaubens immer wieder gegen den Druck ihrer Umgebung erkämpfen. Von daher gehört der Einsatz für Gewissensfreiheit und Menschenrechte zu unseren ureigenen Anliegen.

4.2 Wir verstehen uns als Teil der gesamten Christenheit über alle Grenzen der Konfessionen, Kulturen und Nationen hinweg und suchen die Beziehung zu den anderen Kirchen, damit wir uns gegenseitig ergänzen können.

4.3 Als evangelische Freikirchen bekennen wir uns zur Heiligen Schrift als alleiniger Grundlage für Glauben und Leben und betonen die Glaubensentscheidung des Einzelnen, die verbindliche Mitgliedschaft in einer Ortsgemeinde und das ernsthafte Bemühen um eine verantwortliche Lebensweise.

4.4 Obwohl wir als evangelische Freikirchen die Notwendigkeit einer staatlichen Ordnung anerkennen, betonen wir seit unserer Entstehung die Trennung von Kirche und Staat. Diese Distanz erlaubt eine konstruktive Kritik aus dem Geist des Evangeliums.

5. Gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen
5.1 Weil der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist, hat die Bewahrung und Verwirklichung der Menschenrechte für uns einen hohen Stellenwert. Wir wollen die demokratische Grundordnung unserer Verfassung mit Leben erfüllen und so gestalten, dass die Menschenwürde aller gewahrt wird.

5.2 Durch Jesus Christus hat jeder Glaubende die Aufgabe erhalten, im Auftrag Gottes zu handeln. Dazu gehört die Mitverantwortung für das Gemeinwesen, die Fürbitte für Menschen, die in öffentlicher Verantwortung stehen und die Bereitschaft, sich selbst für eine solche Aufgabe beauftragen zu lassen.

5.3 Die freikirchliche Gemeindewirklichkeit stellt ein wertvolles soziales Lernfeld dar, das Mündigkeit und Verantwortungsbereitschaft fördert. Mit ihrer ausgeprägten Kinder- und Jugendarbeit leisten viele freikirchliche Ortsgemeinden einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration der jungen Generation.

5.4 Jesus Christus hat sich den Menschen in Not unmittelbar zugewandt. Das verpflichtet uns als Einzelne und Gemeinden, die Not in unserer Umgebung wahrzunehmen und wirksame Hilfe zu leisten.

5.5 Das Vorbild Jesu ermutigt uns, das Recht auf ein menschenwürdiges Leben zu verteidigen. Daher fordern wir den Schutz des ungeborenen wie des geborenen Lebens, treten für Minderheiten ein und wenden uns dagegen, dass die Bedürfnisse des Menschen wirtschaftlichen Interessen geopfert werden.

5.6 Mit dem Kommen Jesu ist die Gottesherrschaft für die ganze Welt unwiderruflich angebrochen. Darum hat es Verheissung, dass wir uns mit aller Kraft für die Erhaltung des Friedens, den Schutz vor Ungerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

5.7 Als Freikirchen wollen wir auch in Zeiten besonderer Bedrohung die Grundlage unserer christlichen Existenz bewahren, die Vergeltung und Rache ausschliesst und neben dem notwendigen Schutz der eigenen Person und der uns anvertrauten Menschen Mut macht, Brücken zu bauen und Versöhnung zu wagen.

5.8 Wir warten auf die neue Welt, die uns Jesus Christus als Folge seiner erneuten Ankunft angekündigt hat, eine Welt, in der Gerechtigkeit herrscht. Das gibt uns den Mut, vorläufig und begrenzt zu handeln und entlastet uns von der unrealistischen Erwartung, schon heute die endgültigen Ziele Gottes zu erreichen.

6. Entscheiden, wo die Schwerpunkte unseres Handelns liegen
Es gibt viel zu tun, und oftmals fällt es dem einzelnen Menschen und der einzelnen Gemeinde schwer, die Kompetenzen und den Auftrag Gottes für das eigene Handeln wahrzunehmen. Die folgende Liste ist eine Anregung, nach dem konkreten Ort für die gesellschaftliche Verantwortung zu fragen. Sie zeigt Schwerpunkte und will keine umfassende übersicht geben.

6.1 Handlungsfelder im Umfeld von Gemeinde und persönlichem Leben

Wir setzen uns besonders dafür ein

  • eine anziehende Gemeinschaft in der Gemeinde zu entwickeln
  • sich der Not von Menschen im Umfeld der Gemeinde anzunehmen
  • familienfreundliches Gemeindeleben zu fördern
  • Ehe- und Familienberatung anzubieten
  • Alleinerziehende und Geschiedene zu begleiten
  • adäquaten Lebensraum für Senioren zu entwickeln
  • öffentlich für die Belange von Ehen und Familien einzutreten
  • Grundwerte zu vermitteln und gesellschaftliche Klischees zu überwinden

6.2 Handlungsfelder im Bereich unserer Gesellschaft

Wir setzen uns öffentlich für die Belange der Gesellschaft ein und entwickeln zeichenhaft Alternativen, z. B. in folgenden Bereichen:

  • der neuen Armut in unserem Land
  • der überwindung von Fremdenfeindlichkeit
  • dem Kampf gegen jede Art von Extremismus
  • den wachsenden Suchtgefahren
  • der Bewahrung des Sonntagsschutzes *)
  • dem Umgang mit den Medien
  • der Entwicklung gerechter Strukturen in der Wirtschaft
  • der überwindung der Arbeitslosigkeit
  • dem Schutz und der Bewahrung des ungeborenen und geborenen Lebens
  • dem Umweltschutz
  • dem Umgang mit den Grenzbereichen der Forschung

*) Die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten feiert als biblischen Ruhetag nicht den Sonntag, sondern den Sabbat. Sie setzt sich dafür ein, dass ihre Gemeindeglieder und Angehörigen am Samstag arbeits- und schulfrei haben.

6.3 Handlungsfelder im Bereich der globalen Probleme

In Zusammenarbeit mit Initiativen der Kirchen, der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit und nichtstaatlicher Organisationen setzen wir uns für folgende Ziele ein:

  • Geltung der Menschenrechte in allen Teilen der Welt
  • Abrüstung und Aufbau einer Friedensordnung
  • überwindung des internationalen Terrorismus ohne massive Gefährdung Unbeteiligter
  • Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Erde
  • überwindung des Nord-Süd-Gefälles
  • wirksame Zusammenarbeit aller Länder im Umweltschutz
  • Schutz der Religionsfreiheit

6.4 Folgende konkrete Schritte können für unser Handeln eine Hilfe sein:

  • Verbindung zu politischen Entscheidungsträgern suchen
  • Stellungnahmen zu drängenden gesellschaftlichen Fragen abgeben
  • politische und kommunale Mandatsträger unterstützen
  • einander helfen, Kompetenz in politischen Fragen und Mut zur Kritik zu entwickeln
  • sich mit Gleichgesinnten in anderen Kirchen und Gruppen vernetzen
  • Netzwerke bilden, Informationen austauschen, Ad-hoc-Aktionen vereinbaren
  • Menschen aus den Freikirchen zum politischen Mandat ermuntern
  • theologische Arbeit leisten, die biblische Grundaussagen mit aktuellen Fragestellungen verbindet

Dorfweil/ Taunus, am 23. April 2002