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Theologische Orientierungshilfe der VEF zur Friedensethik

Witten/ Ingolstadt, den 06.12. 2011

Theologische Orientierungshilfe der VEF zur Friedensethik

Angesichts der zunehmenden Komplexität von gesellschaftlichen, friedensethischen und sicherheitspolitischen Fragen, stellen wir, die Mitgliedskirchen der VEF, in dieser Theologischen Orientierungshilfe unsere gemeinsamen Werte fest. In nachfolgendem Text werden biblisch-theologische Kernpunkte benannt, von denen wir uns in politischen Diskussionen und aktuellen Gesellschaftsfragen leiten lassen wollen.

Die Theologische Orientierungshilfe zur Friedensethik bildet nicht die Vielfalt der theologischen und politischen Überzeugungen in der VEF ab, sondern beschränkt sich auf das, was alle Mitgliedskirchen der VEF gemeinsam sagen können. Die Orientierungshilfe antwortet nicht auf spezifische politische Herausforderungen der Gegenwart. Stattdessen will das Papier gemeinsame Leitlinien für weitere Diskussionen markieren.

In zukünftigen Meinungsbildungsprozessen wird uns vorliegende Orientierungshilfe daran erinnern, dem „Evangelium des Friedens“ (Eph 6,15) eine konkrete Gestalt zu geben – gerade in Situationen, in denen Gottes Wege nicht eindeutig erkennbar sind. Gleichzeitig vertrauen wir darauf, dass Gott unser Handeln, das vor allem in Grenzsituationen beschränkt, schuldhaft und gewalttätig bleibt, zum Guten vollendet.

MENSCHEN ALS EBENBILDER GOTTES ACHTEN

1.
Wir glauben, dass Gott Himmel und Erde geschaffen hat. In der guten Schöpfungsordnung Gottes nimmt der Mensch einen besonderen Platz ein. Alle Menschen wurden als Ebenbilder Gottes geschaffen und beauftragt, die Erde zu bebauen und zu bewahren (Gen 1,27; 2,15; Ps 8,6f.). Menschen haben eine einzigartige Würde, die in der Gott-Ebenbildlichkeit begründet liegt.

2.
Wir glauben, dass Gott die Welt erlöst hat in Jesus Christus. Gott kam in die Welt, um sie zu retten (Joh 3,17). In Jesus Christus versöhnte er die Menschen mit sich und gab ihnen Zugang zu seiner Gnade. Gott überwand die Feindschaft der Menschen durch seine Hingabe am Kreuz (Röm 5,1-11). In Jesus Christus wendet sich Gott allen Menschen gleichermaßen zu (Mt 5,45; Lk6,35).

3.
Wir glauben, dass Gott in denen lebt, die an ihn glauben. Als Heiliger Geist erfüllt Gott diejenigen, die an Jesus Christus festhalten (Joh 16,7). An Gottes Fülle haben die Anteil, die ihm vertrauen (Kol 2,9-10). Gott begegnet uns in jedem Menschen, so dass alles, was einem Menschen getan wird, gleichzeitig auch Christus gilt (Mt 25,40).

4.
Gott misst dem einzelnen Menschen einen außerordentlichen Wert bei. Deshalb verkündigen wir die Gute Nachricht allen Menschen. Deshalb ergreifen wir Partei für Benachteiligte in unserer Gesellschaft. Deshalb setzen wir uns für Gerechtigkeit und Frieden ein.

5.
Staatliche Gewalt hat zur Aufgabe, die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten und Einzelne in akuten Bedrohungssituationen zu schützen. Dabei gilt der Grundsatz:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (Art. 1,1 GG). So wird im Grundgesetz formuliert, wovon wir geistlich überzeugt sind. Der Schöpfer allen Seins schuf die Menschen nach seinem Bilde, das ist ihre besondere Würde. Dies muss Richtschnur für alle staatliche Gewalt sein.

BÖSES DURCH GUTES ÜBERWINDEN

6.
Wir folgen unserem Herrn Jesus Christus, der sein Leben hingab und deshalb erhöht wurde (Phil 2,6-11). Als er festgenommen wurde, leistete er keinen Widerstand, sondern heilte seinen Verfolger (Lk 22,51). Noch im Moment seines Todes setzte er sich für diejenigen ein, die ihn töteten (Lk 23,34; vgl. Apg 7,60). Jesus überwand das Böse mit Gutem und gab folgerichtig seinen Jüngerinnen und Jüngern das Gebot der Feindesliebe (Röm 12,21; Mt 5,44f.). Menschen bleiben Gottes Geschöpfe, auch wenn sie sich von Gott entfernen. Selbst über Menschen, die schlechte Absichten haben und gewalttätig sind, soll Segen anstelle von Fluch ausgesprochen werden (Röm 12,14). Besser ist es, um guter Taten willen zu leiden, als schlechte Taten zu tun (1Petr 3,17).

7.
In der Nachfolge Jesu wird Böses durch Gutes überwunden. Es besteht kein Zweifel, dass das Böse sich auf unterschiedliche Weise zeigt, gerade auch im Handeln von Menschen. Klar ist aber auch, dass Jesus an der Wertschätzung des einzelnen Menschen festhält. Jesus setzt voraus, dass Menschen sich ändern und einen neuen Weg beschreiten können (Mk 1,15; 15,39; Lk 24,42f.). Er liebt selbst seine Feinde und durchbricht dadurch schuldhafte Verstrickungen, Bosheit und Gewaltstrukturen, die sich seit Beginn der Menschheit immer weiter fortsetzen. Das Beispiel und die Kraft Christi eröffnen uns neue, kreative, unvorhergesehene Handlungsmöglichkeiten (Mt 5,39-42), um Feindschaft zu überwinden und Gottes Heil zeichenhaft zu verdeutlichen.

8.
Gottes Heil (hebr. Schalom) kommt – als umfassender Frieden, der verfeindete Völker versöhnt, ungerechte Gesellschaften zurecht bringt und die darbende Natur satt macht (Ps 145,13-16; Jes 2,1-4; 65,17-23; Joh 10,10; Röm 8,20-22). Die heilvolle Herrschaft Gottes am Ende der Zeiten wird schon jetzt zeichenhaft sichtbar (Lk 1,77-79; 4,17-21). Gott stellt heilvolle Beziehungen wieder her, sowohl zwischen den Menschen und ihm, als auch zwischen einzelnen Menschen, wie auch zwischen Mensch und Natur (Jes 11,6-9). Indem wir Frieden stiften, verweisen wir auf die neue Welt Gottes, in der feindliche Beziehungen überwunden sein werden (Jes 9,1-12). Gottes Reich ist davon geprägt, dass Schutzlose sich sicher fühlen in der Gegenwart von Mächtigen. Um Menschen zu schützen, die unmittelbar von Gewalt bedroht sind, kann es notwendig sein, staatliche Gewalt einzusetzen (Röm 13,1-4). Macht und Gewalt dürfen allerdings niemals zum Ziel haben, andere Personen zu erniedrigen oder zu demütigen. Der Einsatz von staatlichen Machtmitteln darf nicht egoistischen Motiven folgen und soll immer einem höheren Ziel unterstellt sein, nämlich Frieden, Ausgleich, Integration und Versöhnung. Wir lassen uns in die Pflicht nehmen, auf Böses nicht mit Bösem zu reagieren, sondern es mit Gutem zu überwinden, das Gute zu suchen.

GOTTES FRIEDEN ZEICHENHAFT VERWIRKLICHEN

9.
Der Einsatz für umfassenden, gerechten Frieden zeigt, dass wir „Kinder Gottes“ sind (Mt 5,9). Der Frieden beginnt in unserer Gemeinschaft, in der benachteiligte Menschen ihre eigentliche Würde erst entdecken, in der Einer des Anderen Last trägt und in der auf die Schwachen Rücksicht genommen wird (Mi 6,8; 1Kor 1,26-28; Gal 6,2; Röm 15,1f.). Als Gemeinschaft im Glauben sind wir verbunden mit Menschen überall auf der Welt und sind gemeinsam gesandt, Gottes Frieden und Versöhnung in Wort und Tat zu verkünden.

10.
Als Kirche Jesu Christi sorgen wir nicht nur für uns selbst. In Verkündigung und Erziehung stärken wir die individuelle Persönlichkeit und die Konfliktfähigkeit im Umgang mit Anderen. In zwischenmenschlichen Beziehungen versuchen wir, Konflikte so zu lösen, dass alle Konfliktpartner Gerechtigkeit erfahren. Wir machen auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam. Durch diakonisches Handeln helfen wir denen, die in der Gesellschaft am Rand stehen und fördern gesellschaftlichen Zusammenhalt. Durch gesellschaftliche Beteiligung und politischen Protest sowie durch Eingaben bei staatlichen Stellen und Dialog mit Verantwortlichen setzen wir uns für Gerechtigkeit und Frieden ein.

11.
Wer Macht hat, steht in der Verantwortung. Daher ermutigen wir Wirtschaftsunternehmen und staatliche Institutionen, gegen psychische und strukturelle Gewalt vorzugehen und ein verständnisvolles und aufmerksames Miteinander am Arbeitsplatz zu fördern. Die Bedürfnisse von Arbeitnehmern sind zu beachten, genauso wie die Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Schöpfung. Als christliche Gemeinschaft unterstützen wir das Friedensengagement unserer Geschwister in ihrer jeweiligen Situation.

12.
Auf internationaler Ebene handeln wir nach dem Grundsatz, wie er auch in der Präambel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland steht: „(...) dem Frieden der Welt zu dienen (...)“. Wir dienen dem Frieden durch Stärkung der internationalen christlichen Geschwisterschaft, durch Entwicklungshilfe und Austauschprogramme, durch Förderung einer gerechten und nachhaltigen Wirtschaft, durch Unterstützung von Friedensinitiativen auf internationaler und lokaler Ebene. Wir verweisen durch heilendes Handeln auf Gottes umfassendes Heil, das nicht in unserer Macht steht.